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Ein Blick in die Hölle. Mahler meint am 8. August 2018

160203_Mahlermeint_banner„Die Hölle, das sind die anderen“ (Satre) Die Hölle hat einen Namen: Darknet. Der Fall Staufen ist zu einem vorläufigen Ende gekommen. Ob das Strafmaß hoch oder deutlich zu niedrig ist, darüber kann man sich streiten. Ob mit Schmerzensgeld Schmerzen zu lindern sind, auch. Die Abgründe, die sich aufgetan haben im Fall des verkauften und vergewaltigten eigenen Sohnes lassen befürchten, dass der Vorhang, der über der Hölle hängt, in den vergangenen Wochen nur einen kleinen Spalt aufgegangen ist. Und ganz ehrlich: will irgendjemand mehr sehen? In der Fiktion vielleicht. Aber das ist kein Kino. Das ist bittere Realität. So ähnlich mag es vielen gegangen sein, als die Alliierten 1945 die KZs befreit haben. Nicht sein kann, was nicht sein darf, war bis dahin die Devise. Und so leugneten die Deutschen jahrelang die Existenz von Konzentrationslagern und Gaskammern. Die dann einsetzende Reue kam für viele Opfer zu spät. Der Fall Staufen hat eine bisher nicht für möglich gehaltene Unterwelt zu Tage gefördert, die darzustellen selbst Hyronimus Bosch vor Probleme gestellt hätte. Erst die Festnahme eines Mannes aus Schleswig- Holstein, dem im Darknet der Junge zur Vergewaltigung und Tötung überlassen worden war, ließ die Gesellschaft kollektiv aufschreien. Die Frage ist, ob auch dieses Entsetzen zu spät kommt. Oder ob wir als Gesellschaft, der unsere Kinder anvertraut sind und die sie im Zweifel auch vor Mutter und Vater schützen müssen, endlich wirksam gegen Kindesmissbrauch vorgehen. Deutlich mehr Zielfahnder im Darknet-Milieu, eine personelle Ausstattung der Jugendämter, die sie in die Lage versetzt, endlich ihren Job machen zu können. Das sollte uns das Leben des damals 3-jährigen Mädchens und des jetzt 10 Jahre alten Jungen wert sein. Und das der Kinder, die immer noch in der Hölle unterwegs sind. Ihre Zahl kennt keiner. Sind es Hunderte oder gar Tausende? Egal. Jedes einzelne Schicksal ist jede Anstrengung wert.

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