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Easy Living. Mahler meint am 5.7.2019

160203_Mahlermeint_bannerAm Wurststand ist eine Schlange. Eine einzige Verkäuferin. Die Kunden sind aufgebracht. Wie ist so etwas nur möglich? schimpfen sie. Ich drehe meine Tupperdose in meinen Händen. Da hinein lasse ich mir den Aufschnitt schichten. Papier und Folie lehne ich schon lange ab. Eine besorgte Hausfrau fragt mich, ob die Wurst nicht den Geschmack der anderen Wurstwaren annehmen würde, wenn man sie einfach so aufeinanderschichtet. Ich verstehe die Frage nicht, schon gar nicht die Sorgen, die sie sich macht. Luxusprobleme. Meine Gedanken wandern in andere Zeiten und in ferne Welten. Früher, in der DDR: nach stundenlangem Schlange-stehen: Nee, hier gibt’s keine Schuhe. Keinen Käse gibt’s nebenan …  Freunde in Kenia: Jeden Tag mehrere Stunden Fußmarsch zur Wasserstelle und zurück, mit einem oder zwei Zehnliterkanistern. Die Schlange an der Wursttheke wird ungehalten. Ein wüster Streit entbrennt, wer dran ist. Alle sind in meinem Alter oder drüber. Ich bin seit 4 Wochen Rentner und lächle in mich hinein. Probiere zwischendurch beim Barilla-Mann nebenan ein Pesto, nasche von der Pastrami, die als Appetizer auf der Theke steht. Und frage mich, ob wir eigentlich bekloppt sind mit dem Stress, den wir uns selber machen. OK, ich konnte es mir auch nicht vorstellen, mal so gechillt zu sein. Einfach zwischendurch in den Garten gehen mit einem guten Buch in der Hand und die Zeit vergessen. Kein Termin hetzt mich. Das Leben ist schön – im Sommer sowieso. Das Fahrrad will auch mal wieder bewegt werden. Ich radle bei Freunden und den Kindern vorbei. Ohne Voranmeldung. Wenn sie da sind und Zeit haben – schön. Wenn nicht, radle ich weiter. Irgendwo wartet ein Biergarten unter schattigen Bäumen.

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