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Du Hetero-Sau!!! Mahler meint am 27.07.2017

160203_Mahlermeint_bannerEs geschah vor 30 Jahren in Hamburg. Ich moderierte die Hochzeitsfeier eines Freundes. Die Gäste waren bunt gemischt – Hetero, Bi, schwul, lesbisch. Transgender waren – zumindest nach meiner Kenntnis – nicht dabei. Meine Frau war allerdings mitgekommen, unsere vier Kinder hatten wir zu Hause gelassen. Im Laufe des Abends sprach es sich herum, dass wir Heteros sind und sonst nichts. Und auch noch eine ganz normale – wenn auch kinderreiche – Familie haben. „Hetero-Sau“ fiel damals nicht, allerdings wurde uns hämisch grinsend der Stempel StNoHe – stinknormale Heteros – aufgedrückt.

Das mit der Hetero-Sau hat die Arbeitsgemeinschaft SPDqueer in Pankow erfunden. Und verteilt seit dem 7. Juli fleißig Postkarten mit dieser und anderen Provokationen. Eine Reaktion auf die „schwule Sau“ auf deutschen Schulhöfen. Es fällt mir intellektuell nicht schwer, diese Zusammenhänge zu verstehen. Obwohl ich nur Hetero bin. Es tut mir weh wahrzunehmen, dass queere Menschen in unserem Land immer noch diskriminiert werden. Und dennoch meine ich, dass sich queere Menschen einen Bärendienst erweisen, wenn Sie immer noch meinen, das Problem mit Provokationen lösen zu können. Das gilt für schrille CSD Auftritte genau so wie für diese Postkartenaktion. So reichen die Kommentare auch von „Dümmlich-Provokant und unreif“ bis „das bringt es genau auf den Punkt“.

Ich möchte gerne mit meinen queeren Freunden für Normalität kämpfen. Und die zur Rechenschaft ziehen, die grundgesetzwidrig Menschen mit queeren Lebensmodellen diskriminieren. Pauschalverurteilungen bringen uns in immer größere Distanz zur Normalität. Das gilt für beide Seiten.

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