Die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Brettern.

Ich bin im Schwarzwald geboren. Dort kommt man, wie man so sagt, mit Skistiefeln auf die Welt. Natürlich bin ich auch über selbstgebaute Schanzen gehüpft. Und stand schon in Innsbruck, in Titisee und in Garmisch auf der Schanze. Natürlich ohne runterzufahren. Und dennoch – oder gerade deshalb – ist mein Respekt vor den tollkühnen Männern, die sich mit zwei Brettern unter den Füßen in die Tiefe stürzen und im besten Fall 130, 140 Meter weit fliegen, um dann mit einem Telemark elegant zu landen, nicht kleiner geworden. Von der gestern zu Ende gegangenen Vier-Schanzen-Tournee hab ich keinen einzigen der insgesamt ca. 450 Wertungssprünge verpasst. Ich bin Skisprung-Fan, egal, wer gewinnt. So spannend wie 2019/2020 war es viele Jahre nicht mehr. Nicht nur, weil der japanische Überflieger Ryoyu  Kobayashi Nerven gezeigt hat, sondern weil der eher durchschnittlichen Springer David Kubatzki aus Polen und der jung Norweger Marius Lindvik nach dem dritten Springen auf einmal vorne waren. Die Top-Favoriten Karl Geiger, Ryoyu Kobayashi und Stefan Kraft fanden sich auf den Plätzen wieder. Es war angerichtet fürs Finale in Bischofshofen. Und das hatte es in sich. Kubatzki war in beiden Durchgängen unangreifbar und ist der dritte Pole, der verdient die Tournee gewonnen hat. Kobayashi nimmt es allzu lässig (Skispringen ist ein Hobby, mehr nicht) und fällt vom Podium. Marius Lindvik behauptet sich knapp vor Karl Geiger auf Rang zwei, der Deutsche kommt immerhin aufs Treppchen. Der gläubige Katholik Kubatzki bekreuzigt sich vor jedem Sprung ausführlich, und er meint es auch so. Ob der gute Draht nach oben für den Herrn der Lüfte den Ausschlag gegeben hat? Ruhig und cool wie der Pole ist, könnte man es glauben. Wissen kann man es nicht.

Die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Brettern.
Die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Brettern. bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
34,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen.
Loading...