Die Suche nach dem Sündenbock. Mahler meint am 22.11.21

Geht es Mensch schlecht, sucht er nach oder sie nach einem Sündenbock. „Tötet die Ungläubigen, dann wird der reine Gottesstaat entstehen“ ruft der radikale Islam. „Haltet die deutsche Rasse rein“ ist ein Schlachtruf, der leider 1945 nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes nicht mit untergegangen ist. Und der Jude als Gottesmörder und Beherrscher der Weltfinanzen ist ein Motiv, das seit Jahrhunderten zu Pogromen in vielen Ländern der Welt geführt hat.

Jetzt also Corona. Unerträglich, hier keine einfachen Antworten zu kennen. Deshalb schießen die Verschwörungstheorien ins Kraut. Das Labor in Wuhan residiert in der 666 Gaoxon Road East Lake. 666 – der Name des Tiers in der Offenbarung der Bibel, gegen das der Erlöser kämpft. Oder doch Bill Gates? Oder Angela Merkel?

Egal – Fakten spielen eh keine Rolle mehr. Man glaubt das, was man glauben will – und man hat vor allen Dingen einen Sündenbock, gegen den man seine Wut, seine Angst, seinen Frust und seine Ohnmacht richten kann. Eine Zielscheibe, auf die man je nach Gusto einen Kopf kleben kann oder eine Ideologie, eine Ethnie – Rassen sind auch beliebt. Alles geht – außer ich selbst.

Einzusehen, dass die Pandemie ein Geschehen ist, das wir alle durch die Vergewaltigung der Natur mittels Gier und krankem Lebensstil verursacht haben – ebenso wie die Klimakrise und das Artensterben – das würde zu sehr weh tun. Und uns selbst betreffen. Und von uns Konsequenzen verlangen. Da ist der Sündenbock doch ein nützliches Tierchen. Weil es mit nichts mit uns zu tun hat.

Die Suche nach dem Sündenbock. Mahler meint am 22.11.21
Die Suche nach dem Sündenbock. Mahler meint am 22.11.21 bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
7,13 von 5 Punkten, basierend auf 8 abgegebenen Stimmen.
Loading...