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Die Kirche dürstet nicht nach Blut. Mahler meint am 9. August 2018

160203_Mahlermeint_bannerFranziskus räumt weiter auf. 2000 zu spät wagt er den Schritt vom Alten ins neue Testament. Die römisch-katholische Kirche schafft die Todesstrafe ab. Da reibt man sich verwundert die Augen. Gab es die denn noch? Ja. In Artikel 2267 des Katechismus stand bisher: „Die Kirche erkennt das Recht des Staates an, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen.“ Franziskus hat auch mit diesem dunklen Kapitel Roms aufgeräumt und endlich das Evangelium gegen die Vergeltung gesetzt. „Die Todesstrafe ist unzulässig, weil sie gegen die Würde der Person verstößt“. Und: „Die Kirche setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung ind er ganzen Welt ein“. Ein langer Irrweg geht damit zu Ende. Ab dem 11. Jahrhundert hatte der Vatikan Ketzer, Hexen und Hostienschänder reihenweise hängen und brennen lassen. Ohne sich direkt die Hände schmutzig zu machen: Die weltliche Macht durfte exekutieren. Allerdings war über Jahrhunderte die weltliche Macht in der Hand der Bischöfe, so dass Todesurteile indirekt doch selbst vollstreckt wurden. Nun hat endlich Giordano Bruno, das letzte Opfer der Inquisition im Jahr 1600 doch noch eine späte Genugtuung erfahren. Sein Denkmal steht auf dem Campo Fiori, sein Blick richtet sich auf den Vatikan. Sein Verbrechen: er war zu schlau. Er postulierte die Unendlichkeit des Weltraums und die ewige Dauer des Universums. Dafür musste er brennen. Franziskus vollzieht mit der Abschaffung der Todesstrafe den Schritt vom Alten ins neue Testament. Galt bis zum Auftreten des Gottessohnes Jesus Christus „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist für die Christen Jesus selbst der letzte Mensch gewesen, der sterben musste, weil er Schuld auf sich geladen hatte. Die der ganzen Welt – und so muss nach neutestamentlicher Lehre keiner mehr seine Verbrechen mit dem Leben büssen. Willkommen in der Humanität, katholische Kirche. Danke, Franziskus.

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