Radio Paradiso > Mediathek > Mahler meint > Die heimatlose Generation. Mahler meint am 22.10.2018
 

Die heimatlose Generation. Mahler meint am 22.10.2018

160203_Mahlermeint_bannerIch fliege mit meiner Lebensgefährtin im Herbst noch eben für 4 Tage nach New York. Dann bekomme ich bei Lufhansa Miles and More ein Upgrade. Offensichtlich sind wir in diesem Jahr mehr geflogen als geplant – wir haben uns zwischendurch mal eben Hawaii gegönnt. Der junge Mann, der mir gegenüber sitzt ist gerade mal 30. Von der Welt hat er schon mehr gesehen als ich. Und ich gönne es ihm von Herzen. Auch, dass er in New York jetzt 4 Tage lang die Museen abklappert, dann hat er das schon erledigt, wenn er 2019 entspannt, wie er sagt, eine Woche New York „macht“. Gleich nach Indonesien. Man kann natürlich den Reisewahn vieler Zeitgenossen moralisch geißeln. Kreuzfahrtschiffe und Umwelt und so. Das ist aber gar nicht meine Absicht. Ich stelle einfach nur fest, dass es in unserer globalisierten Welt immer mehr sogenannte Weltbürger und immer weniger Heimatverbundene gibt. Was nach Deutschtümelei, Trachtenverein und Oktoberfest in Dirndl und Krachledernen klingt, zeigt eigentlich das Dilemma des Young Urban Professionals: Entwurzelung und Heimatlosigkeit. Auch wenn Paul Young schon 1962 mit „Wherever I lay my Hat, that my Home” seinen größten Hit landete ist die Romantik der Fernreisen längst einer nüchternen Realität gewichen. Ein Zuhause, eine Heimat ist nicht zu ersetzen. Das große Jugendtreffen unserer Kirche war in diesem Jahr mit „Heimatgeber“ überschrieben. Jedes Schiff braucht einen Hafen, in dem es nach großer Fahrt andocken kann. Dieser Hafen ist vielen von uns in unserer mobilen und schnelllebigen Zeit abhandengekommen.

 

Tags: , , ,

Die heimatlose Generation. Mahler meint am 22.10.2018 bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...