Die hätt ich bebbe losse.

„Die hätt ich bebbe losse. Die hätte mol drusse mit em abebbte hand drusse schlofe damit se wisse, wie bled se send. So so was bleds kann mer doch net mache….“

Die alte Dame aus Freiburg geht gerade viral in den sozialen Netzwerken. Sie echauffiert sich in bestem alemannisch über die KlimaaktivistInnen, die sich auf den Straßen festkleben. Ich übersetze:

„Die hätte ich kleben lassen. Die hätten mal draußen eine Nacht mit der angeklebten Hand schlafen müssen, damit sie wissen, wie blöd sie sind. So etwas Blödes kann man doch nicht machen.“

Ich war in der Friedensbewegung der 1980 Jahre und habe mehr als einmal das Atomwaffen-depot der USA in Mutlangen blockiert. Ich habe viel für provokante Aktionen übrig, wenn mit vernünftigen Argumenten nichts erreicht werden kann. Ich habe mit den Zielen der R A F sym-pathisiert, nicht aber mit den Methoden. Der Zweck heiligt eben nicht immer die Mittel. Dier Klebeaktionen sehe ich auf dem schmalen Grad zwischen geht und geht nicht. Der tragische Tod der Radfahrerin in Berlin ist nicht schönzureden. Dass die letzte Generation zu drastischen Mitteln greift, nötigt mir dennoch Respekt ab. Das ist allemal besser als das scheinheilige lau-warme protestieren gegen die WM in Katar. Und doch hingehen und kicken. Oder lautstark erzählen, dass man kein einziges Spiel anschauen wird und es dann doch tut. Merkt ja keiner….

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