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Die einsame Generation. Mahler meint am 23.10.2018

160203_Mahlermeint_bannerSelbstoptimierung ist das Schlagwort des ausgehenden Jahres 2018. Wir müssen das Beste aus unserem Leben herausholen – was an sich noch nicht verwerflich ist. Im Gegenteil – warum sollte man sein Talent, seine Bildung, seine Kreativität nicht nutzen, um ein glückliches, erfülltes Leben führen zu können? Die Sache hat allerdings einen Haken. Und der heißt Beziehungsunfähigkeit. Die Benchmark, die ich nicht nur an mich, sondern auch an meinen Partner anlege, ist unglaublich hoch. Meine Erwartungen kann keiner erfüllen. Also probiere ich ein paar durch – und bleibe am Ende allein. Weil es keiner bringt. Niemand genügt meinen Ansprüchen. Auch nicht der eigene Nachwuchs, so dennoch welcher entstehen sollte. Kinder sind die Optimierungsopfer ihrer Eltern. Schön, sportlich, klug, erfolgreich. Kinder sollen die Träume erfüllen, die ihren Eltern versagt geblieben sind. Der Lernschwache, Langsame, Dicke oder gar Behinderte hat da keine Chance. Diese Generation ist nicht nur von Altersarmut, sondern auch von Alterseinsamkeit bedroht. Nein, eigentlich ist die Vereinzelung – sprich Vereinsamung – Gegenwart. Die Zahl der Singlehaushalte wächst weiter. Lieber allein als gemeinsam einsam. Und das bittere Ende: kaum noch Sozialkontakte. Wenn wir aus dieser Falle herauskommen wollen, müssen wir zu allererst gnädiger mit uns selbst umgehen. Dann ertragen wir nicht nur uns selbst besser, sondern auch unsere nicht-perfekten Freunde, Partner, Kinder. Nehmen wir Abschied vom Selbstoptimierungswahn. Und begreifen wir uns wieder als Beziehungswesen. Der Mensch wird erst im Du zum Ich.

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