Die Chance des gezogenen Steckers.

Wir wachen morgens auf und haben nur einen Wunsch: möge es doch endlich vorbei sein. Der Blick in die Zeitung, die Nachrichten im Radio belehren uns eines Besseren. Nein, es ist nicht vorbei. Die Krise dauert. Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen. Stillstand. Verordnete Zwangspause. Das ängstigt uns. Möge es so sein wie vorher, möglichst schnell. Wir bleiben in der Schockstarre und sehen uns zurück nach vorher. Gestern hat mich ein Gedanke des Schau-spielers Harald Krasnitzer fasziniert. Er lädt uns zu einem einfachen Dreischritt ein:

Erster Schritt: Was möchte ich aus der Zeit vor der Corona-Krise nicht mitnehmen in die Zeit danach?

Zweiter Schritt: Was möchte ich aus der Zeit vor der Corona-Krise auf jeden Fall mitnehmen in die Zeit danach?

Und der dritte Schritt: Wir nutze ich diese Zeit des Innehaltens, um Dinge loszuwerden und andere zu bewahren, festzuhalten?

Diese Gedanken lassen die verordnete Zwangspause sinnvoll erscheinen. In ihr wächst kreativ Neues heran. Altes, untaugliches stirbt. Und damit sind wir mittendrin im Ostergeschehen. In der Fastenzeit halten wir inne. Am Karfreitag stirbt etwas. Etwas Altes, was für die neue Zeit nicht taugt. Und am Ostermorgen macht sich Neues auf den Weg. Wenn wir beim langsamen Hochfahren nach dem Shut-down alte, lästige Gewohnheiten hinter uns lassen, dann kann nicht Altes wieder Macht über uns gewinnen, sondern Neues kann entstehen. Neues Leben. Eine neue, andere Qualität. Weniger Ablenkung. Weniger Konzentration auf das Materielle. Kurz: Mehr Sein als Haben. Wir starren nicht mehr auf die Gefahr, sondern sehen die Chance auf ein anderes, sinnerfülltes Leben. Wenn das geschieht, hat das Leben gesiegt und nicht der Tod. Dann ist wirklich Ostern.

Die Chance des gezogenen Steckers.
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