Der verzweifelte Kampf um Anstand.

Kann man eigentlich gesetzlich regeln, was moralisch den Bach runtergeht? Als im ausgehenden letzten Jahrhundert die CDU eine „geistig-moralische Wende“ forderte, ging es um Themen wie Parteispenden und eine Positionierung der konservativen Parteien als Saubermänner gegenüber einem in ihren Augen geistig-moralisch fragwürdigen Rest. Das C wurde in den C-Parteien bemüht, die christlichen Grundwerte gebetsmühlenartig vor sich hergetragen in einer Republik, in der die Kirchen als moralischer Benchmark dramatisch an Einfluss verloren. Damals konnte man vielleicht ahnen, dass es eine ganz andere Front geben würde, wenn es um eine geistig-moralische Wende in unserem Land geht. Es geht um Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Das war seit alters her Aufgabe der Kirche gewesen. Ob die Kirche diese Aufgabe gut gemeistert hat, sei dahingestellt. Immerhin gab sie den meisten Menschen Leitplanken, nach denen sie sich richten konnten.

Mit der Digitalisierung und dem Vormarsch der angeblich sozialen Medien brachen indes alle Dämme. In der Anonymität des Netzes werden Tabus gebrochen, es wird gehetzt, diffamiert und beleidigt, was das Zeug hält.

Gestern hat der Gesetzgeber versucht, einen kleinen Staudamm gegen entwürdigende Praktiken aufzubauen. Das Upskirting, also die heimliche Fotografie unter den Rock einer Frau stellt jetzt eine Straftat dar. Und das Fotografieren von Toten an einem Unfallort kann jetzt mit bis zu 2 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Ob damit eine neue geistig-moralische Wende eingeläutet werden wird, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Ein Volk sucht krampfhaft nach den verlorengegangen Werten: Respekt, Würde und Anstand.

Der verzweifelte Kampf um Anstand.
Der verzweifelte Kampf um Anstand. bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
5,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen.
Loading...