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Der Unruhestand. Margot Käßmann geht. Mahler meint am 27.06.2018

160203_Mahlermeint_bannerEben habe ich die Zeitung aus dem Kasten geholt. Und war mehr als überrascht: Margot Käßmann als Aufmacher. Rente mit 60. Ich habe mich immer gefragt, was sie nach dem Lutherjahr wohl machen wird. Jetzt weiß ich es. Drei Dinge nimmt sie mit  in ihre Wahlheimat Usedom: Bibel, Anorak und Badeanzug. Wenn ich gefragt werde, was meine drei Lieblingsbeschäftigungen sind, antworte ich mit dem Predigtlehrer Rudolf Bohren: Predigen, Skilaufen und Holz hacken. Klingt zumindest ähnlich. Und auch sonst klingt mir vieles, was Margot Käßmann über den Ruhestand sagt, sehr vertraut: Mehr Zeit an dem Ort verbringen, den man liebt. Mehr Zeit zum Lesen, zum Schreiben und für die Enkel. Ich bin in genau einem Jahr so weit. Und ja, Lesen, Schreiben und die Enkel sind auch meine Traumziele für die Zeit danach.

Nun können Menschen wie wir, liebe Margot, eigentlich gar nicht in den Ruhestand gehen. Die Berufung in den Stand des Pfarrers, der Pastorin gilt ja lebenslang. Und ebenso die Berufung, sich streitbar für die Gerechtigkeit und den Frieden einzusetzen. Das hat die Ex-Bischöfin immer getan und sie wird es tun, bis sie in den ganz großen Ruhestand gehen wird, da bin ich mir sicher. Margot Käßmann war beliebt und gefürchtet wie kaum eine Andere. Brechend volle Hallen auf den Kirchentagen, unbequeme Botschaften in Richtung Politik –sie hatte eben etwas zu sagen, hat Kante gezeigt. Ich erinnere mich an viele Begegnungen und einige Interviews – zum Thema Krieg und Frieden, zum Thema Sterbehilfe, zu den Themen der weltweiten Gerechtigkeit. Und jetzt zuletzt zum Thema Martin Luther. Die Kirche ist in einem immerwährenden Reformationsprozess. Das hat Margot Käßmann immer gelebt. Deshalb war sie eine würdige Botschafterin der 500 Jahr Feier der Reformation. Und ihre Stimme wird weiter zu hören sein. Gott sei Dank! Sie war und ist die populärste Stimme der evangelischen Kirche in der Öffentlichkeit. Weil sie den Menschen nie nach dem Mund geredet hat sondern treu zu den Wahrheiten stand, die sie aus dem Studium der Heiligen Schrift gewonnen hat. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ –dieser Satz Martin Luthers vor dem Reichstag zu Worms kann auch über ihrem Leben stehen. Ich wünsche Dir, liebe Margot, ganz viel Muße und Spaß beim Lesen, beim Schreiben, mit den Enkeln und bei langen Strandspaziergängen auf Usedom.

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