Der Ball rollt wieder – in die falsche Richtung. Mahler meint am 21.08.

Fußball war mal ein Malocher-Sport. Man konnte die Welt einteilen in Jungs, die auf den Bolzplatz groß geworden sind und die anderen, die von Mutti mit dem Zweitwagen zum Tennisplatz gefahren wurden. Papa ging am Wochenende mit den Jungs ins Stadion, die Mädels blieben zu Hause. Dass sich das mit den Mädels geändert hat finde ich klasse. Anne, unsere Nachbarin, ist mit 15 Jahren schon im DFB-Nachwuchskader. Dass Fußball aber zum Luxusartikel geworden ist, das verzeihe ich ihm nie. Schuld sind Bayern München, Hertha BSC und der HSV. Die Clubs der oberen 10.000 – die anderen gingen zu 1860, Eisern Union und zu St. Pauli. Einzig Schalke 04 stemmt sich noch dagegen – will der Klub der Kumpels bleiben. Und hat am Wochenende den durchkommerzialisierten Gertränkedosenclub aus Leipzig mit 0:2 nach Hause geschickt. Gut so – und doch kein Trost für die verletzte Arbeiterseele. Wenn die Familie heute ein Heimspiel eines Bundesligaclubs live sehen will, ist sie mit einem dreistelligen Betrag dabei. Pay TV verdirbt auch den Genuss zu Hause – wer alles live mitkriegen will braucht seit dieser Saison Sky und Eurosport – macht satte 770 Euro im Jahr. Meine Fan-Kneipe ist gut aufgestellt und der Wirt stöhnt trotzdem: die Gebühren für die Übertragungen haben die meisten von ihnen in die Knie gezwungen. Die Fans sollen zu Hause bleiben – und zahlen.
Denn nur so können die horrenden Fernsehgelder von 4,64 Milliarden reinkommen. Damit 222 Millionen für den ehemaligen Straßenkicker Neymar bezahlt werden können, der in der Favela mit einem Ball aus Lumpen das kicken gelernt hat.
Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Till Mildebraths Hertha hat meinen VfB mit 2:0 geschlagen. Glückwunsch nach Berlin! Ihr habt die bessere Mannschaft! 90,45 Millionen zu 58,73 Millionen. Zahlt Bayern aus der Portokasse – 603,4 Millionen. Der Ball muss rollen – und der Rubel auch.
 

Der Ball rollt wieder – in die falsche Richtung. Mahler meint am 21.08.
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