Der Größte unserer Zunft ist tot

Für mich war er der Größte. Nicht nur, weil er 1,97 maß, er war auch der beste, menschlichste, sprachmächtigste und warmherzigste Moderator und Autor, den ich je erlebt habe. Und man könnte angesichts des Todes von Roger Willemsen, der am Sonntag im Alter von 60 Jahren einer Krebserkrankung erlag, die Plattitüde „Only the good die young“ bemühen.

 

Aber das würde ihm nicht gerecht werden, war er doch einer der wenigen universal gebildeten Intellektuellen im Land und zugleich einer der größten Entertainer. Intellekt und Emotion – keiner konnte da auf so geniale Weise verbinden wie Roger Willemsen.

 

Gebannt schaute ich mir jede Sendung von Willemsens Woche an, verfolgte seine Auftritte im Scheibenwischer, wenn er mit Dieter Hildebrandt gemeinsam moderierte, jeder Satz ein Genuss für Menschen, die mit Sprache umzugehen haben.
Er hatte einen Leitspruch für sein Leben, den dieser Menschenverzauberer regelmäßig eingelöst hat: „Ich wünsche mir, dass es den Menschen nach einer Begegnung mit mir besser geht als vorher.“

 

Eine Benchmark, die er schaffte – und die zu erreichen ich mir nie angemaßt habe. Denn solche Jahrhunderttalente gibt es vielleicht alle Hundert Jahre nur einmal. Ich verneige mich vor dem größten Unterhaltungskünstler, den das deutsche Fernsehen hatte. Roger Willemsen, von Dir konnten wir alle eine Menge lernen.

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