Der Aufstand der Frustrierten.

Man kann fassungslos sein über die Krawalle in deutschen Städten. Jugendliche treffen sich zu Hunderten an öffentlichen Plätzen unter Missachtung der Corona Regeln. Polizisten, die für Ordnung sorgen wollen, werden angegriffen und verletzt. Man kann wie gesagt fassungslos sein und auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen verurteilen. Man kann aber auch ein wenig genauer hinschauen und sich fragen, was diese jungen Leute so wütend macht. Sie wa-ren jetzt mehr als ein Jahr mehr oder weniger eingesperrt. Der direkte Kontakt zu Schule oder Ausbildung ging verloren. Das gesamte öffentliche Leben – wir treffen uns in der Stadt und machen Party – hängen einfach mal ab – fiel weitestgehend aus. Wenn dann das Signal kommt: es gibt Lockerungen, es ist wieder einiges möglich – dann brechen die Dämme. Es sind vor allem Jugendliche, die in einer häuslichen Enge leben müssen, wo sie keine Rückzugsmög-lichkeiten haben. Ihr soziales Leben in der Freizeit spielte sich vor Corona vor allem auf öffent-lichen Plätzen, beim Sport oder in Clubs ab. All das geht nicht mehr – und darum werden Ge-legenheiten genutzt, sich diesen öffentlichen Raum zurückzuholen. Anstatt nur mit der Härte des Gesetzes gegen solche Versammlungen vorzugehen täten die Städte und Gemeinden gut daran, jetzt zusammen mit Jugendsozialarbeitern nach Alternativen zu suchen. Zum Beispiel Sport ermöglichen, ein Fußballspiel um 22 Uhr, legale Clubaktivitäten. Das Signal müsste sein: Gewalt ist ein no go, aber wir suchen mit euch gemeinsam nach Möglichkeiten, wie ihr eure Energie loswerden könnt und auf legale Weise „die Sau rauslassen“. Wenn die nämlich aus Frust unkontrolliert ausbricht, erleben wir genau das, was sich am Wochenende in vielen Städ-ten in Deutschland abgespielt hat.

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