Den Blick weiten.

Februar 2021. In der S-Bahn sitzt ein Mann mit einer völlig verratzten Maske, die unter sei-ner Nase hängt. Einmalig 150 Euro haben Sozialhilfeempfänger in der ganzen Corona-Zeit zu-sätzlich vom Staat bekommen, unter anderem „um sich FFP2 Masken kaufen zu können.“ Kurz entschlossen zieht meine Frau eine Ihrer Masken aus der Tasche, die sie eben in der Apotheke mit einem Berechtigungsschein der Krankenkasse abgeholt hat und gibt sie dem Mann. Dieses Sehen des Mitmenschen mitten in den eigenen Corona-Sorgen hat mich an ei-nen Segen erinnert, der Franz von Assisi zugeschrieben wird.

Möge Gott dich segnen mit Unbehagen gegenüber allzu einfachen Antworten,

Halbwahrheiten und oberflächlichen Beziehungen, damit Leben in der Tiefe deines Herzens wohnt.

Möge Gott dich mit Zorn segnen gegenüber Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeu-tung von Menschen, damit du nach Gerechtigkeit und Frieden strebst.

Möge Gott dich mit Tränen segnen, zu vergießen für die, die unter Schmerzen, Ablehnung, Hunger und Krieg leiden, damit du deine Hand ausstreckst, um sie zu trösten

und ihren Schmerz in Freude zu verwandeln.

Und möge Gott dich mit der Torheit segnen, daran zu glauben, dass du die Welt verändern kannst, indem du Dinge tust, von denen andere meinen, es sei unmöglich, sie zu tun.

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