Das richtige Lüften

 

 

Es wird langsam aber sicher Frühling und da wollen wir raus an die frische Luft und wenn wir drinnen bleiben müssen, dann wollen wir frische Luft in der Wohnung oder im Büro. Oft wird einfach das Fenster aufgerissen und die Heizung bleibt an. Das ist ungünstig. Der Radio Paradiso Umweltdetektiv Eric Zeisler hat für unsere Hörer einen kleinen Leitfaden zum Thema „Lüften“ verfasst:

 

 

Lüften:

Besonders in den kälteren Monaten lassen wir die Fenster zu, natürlich um die kalte Luft „draußen“ zu lassen. Doch auch jetzt fallen innerhalb der Wohnung enorme Mengen an Feuchtigkeit an. Die muss man wieder „rausbringen“ wenn man keine feuchten Wände haben möchte.

 

Was passiert wenn ich nicht lüfte.

Im schlimmsten Fall kann sich die Feuchtigkeit, die beim „Wohnen“ entsteht, an den Wänden niederschlagen und es kann zur Schimmelbildung kommen.

Zwei Faktoren sind entscheidend, zum einem die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit, als kalte Luft aufnehmen.

Wenn diese feuchte, warme Luft auf ein kaltes Bauteil trifft, dann kühlt sich die Luft ab und der Taupunkt kann unterschritten werden, was so viel heißt wie: Feuchtigkeit fällt aus.

Das kann man gut an Fensterscheiben beobachten, hier ist es in der Regel kein Problem, Ein Problem ist es jedoch an der Wand oder an der Decke. Denn hier kann sich dann auf Dauer Schimmel bilden.

Schimmel ist zum einen gesundheitsschädlich, zum anderen kann er das Bauwerk schädigen.

 

Woher kommt die Feuchtigkeit?

Zum einen geben wir Menschen natürlich kontinuierlich Feuchtigkeit ab, durch Atmen und über die Oberfläche unserer Haut. Das sind über Nacht ca. 300 ml pro Person, das ist dann bei 2 Personen eine Mineralwasserflasche voll, als Wasserdampf in der Raumluft gebunden.

Außerdem entsteht viel Wasserdampf beim Kochen, Waschen und anderen Haushaltsarbeiten.

 

Am meisten jedoch beim Duschen mit heißem Wasser, insgesamt kann man sagen, dass eine 4-köpfige Familie im Durchschnitt 12-16 Liter Wasserdampf pro Tag produziert – das entspricht einem großem Eimer.

 

 

Zweiter Faktor Wärme/Heizen:

Heizen ist ganz wichtig. Je Wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Feuchtigkeit aus der Raumluft fällt an den kalten Bauteilen aus, bildet also Nässe. Dazu muss die Wand noch nicht einmal extrem Kalt sein, als Faustformel sagt man auch, es kann zu Feuchtigkeit kommen, wenn eine Wand 6°C kühler als die Raumluft ist.

Deswegen ist es ganz wichtig, die Temperatur innerhalb einer bewohnten Wohnung an allen Bauteilen, also an allen Wänden und auch in den Ecken, um 15° Celsius zu halten.

Das bedeutet allerdings auch, dass das oft beobachtete Vorgehen, das Schlafzimmer überhaupt nicht zu beheizen, ungünstig ist.

 

Das Heizverhalten ist auch von dem Gebäudetyp abhängig. In Altbauten ist das abdrehen der Heizung, dann meist auch mit einer extremen Auskühlung der Bauteile verbunden, was wiederum zum Feuchteanfall führen kann.

Das ist in gut gedämmten Häusern, also Neubauten und sanierten Altbauten, anders. Hier kühlen die Bauteile nicht so schnell aus und deswegen ist das Absenken der Rautemperatur absolut sinnvoll.

 

 

Wann soll man Lüften?

 

Eine Faustformel ist zwei Mal täglich – morgens und abends.

Wichtig auch immer dann, wenn Feuchtigkeit produziert wird, beispielsweise nach dem Duschen oder Kochen. In Zahlen ausgedrückt, es sollte 7-mal täglich die Raumluft ausgetauscht werden.

Aber nicht jedes Gebäude ist gleich. So haben wir im Altbau undichten Fenster und dadurch einen permanent hohen Luftaustausch. Hier ist das Lüften, unter Umständen, nicht so ein großes Thema. Deswegen rate ich auch gerne, sich ein Hygrometer, also ein Messinstrument zur Messung der Luftfeuchtigkeit anzuschaffen. Die gibt es ab 10 € im Elektronikmarkt.

Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40-60% liegen. Das ist bei den meisten Geräten auch schon markiert.

Auf jeden Fall muss unbedingt gelüftet werden, wenn die Fensterscheiben von Innen beschlagen, dann ist die Raumfeuchtigkeit definitiv zu hoch.

 

 

Richtiges Lüften:

Solange die Heizung in Betrieb ist gilt: 10 Minuten  vor dem Lüften -Heizung aus – wir wollen ja nicht Wärme verschwenden. Dann am besten querlüften, also so, dass in der ganzen Wohnung die Luft ausgetauscht wird. Lieber ein Fenster mehr aufmachen, vor allem auch in Räumen die nicht so oft genutzt werden.

Im Winter sollten das so für 5-10 Min geschehen, in Sommer durchaus länger 20-30 Min.

 

 

Fenster auf Kippstellung geht das auch?

Eigentlich nicht. Ein echter Austausch der Raumluft findet nicht statt, beziehungsweise dauert es sehr, sehr lange.

Fenster auf Kippstellung hat nur den Effekt, dass das Mauerwerk oberhalb des Fensters ausgekühlt wird. Zur Erinnerung – die Feuchtigkeit aus der Raumluft schlägt sich immer an der kältesten Stelle der Wand nieder – das wäre bei einem kippgestellten Fenster die Mauer oberhalb des Fensters. Die Gefahr von Feuchtigkeitsanfall und damit Schimmel wird dadurch erhöht.

 

Dieses „unkontrollierte“ Lüften ist sinnlos und kostet im Winter nur unnötig Geld, ein häufig und lange auf „Kipp“ gestelltes Fenster kann durchaus eine Erhöhung der Heizkosten von rund 140 Euro im Jahr bedeuten.

 

 

Wärmegedämmte Häuser

Eine weiterverbreitete Meinung ist, dass gedämmte Wände nicht mehr atmen können.

Wenn man ehrlich ist, habe die Wände das vorher auch nicht getan. Das Haus war nur „undichter“.

Klar ist jedoch auch – je undichter ein Haus ist, desto mehr Heizenergie wird benötigt – und die ist ja bekanntlich teuer.

Also baut man neue Fenster ein und dämmt die Fassade. So ein saniertes Haus, oder auch ein Neubau, hat andere Anforderungen an den Nutzer.

Entweder muss man mehr lüften oder wenn das Haus mit einer mechanischen Lüftung ausgestattet ist, muss man die Fenster geschlossen halten.

Der Umgang ist schon etwas anspruchsvoller.

Und hierbei geht es nicht nur um den Feuchteanfall, es geht auch um die Lufthygiene.

In einem Altbau mit alten Fenstern fühlen wir uns auch deswegen so wohl, weil es hier immer eine hohe Luftwechselrate gibt. Baut man dann allerdings neue Fenster ein, dann muss man diesen Luftwechsel anders herstellen, sonst steht die Luft in den Räumen.

 

Die Industrie hat einiges an Lösungen bereit, wie man so ein Luftwechsel mit speziellen Fenstern oder einer Lüftungsanlage hinbekommt. Sogar der Gesetzgeber fordert bei einer Sanierung und im Neubau den Nachweis eines Lüftungskonzeptes.

 

So eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt zum einen für gute Luft, also mehr Komfort, es kann sogar noch eine Menge Heizenergie einsparen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, fördert diesen Einbau sogar (http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Foerderberater/index.jsp).

 

 

 

 

Das richtige Lüften
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