Das Jahr geht – Rückblick 4

Silvester – wie jedes Jahr schon auch Zeit für eine persönliche Bilanz des Jahres 2015. Erste Erkenntnis: je älter ich werde, desto schneller scheint die Zeit davon zu laufen.

Aber das geht uns ja allen so: Der Countdown läuft ja eigentlich schon seit unserer Geburt, merklich bereits ab einem Lebensalter von 40.

Das zurückliegende Jahr war dann auch geprägt von Abschied. Mit meiner Schwiegermutter ist die letzte Vertreterin der Generation vor uns gegangen. Komisches Gefühl, dass wir die nächsten sein werden, wenn alles nach der Reihe geht.

Und so ist dann auch das Lebensgefühl geprägt von Loslassen. Auch das Loslassen, was mit zunehmendem Alter nicht mehr geht. Extremsport, den ganzen Tag auf Hochtouren laufen und die Nächte kurz sein lassen. Alles hat seine Zeit. Und so nehme ich – wie jedes Jahr – das wunderschöne und kluge Gedicht von Hermann Hesse mit über die Schwelle ins neue Jahr.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Das Jahr geht – Rückblick 4
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