Das Geschäft mit der Angst

Wenn wir ehrlich sind, waren wir alle schon mal bei McDonalds. Wenn wir ehrlich sind, sind wir alle schon mal auf den Nahrungsergänzungsquatsch reingefallen. Wenn wir ehrlich sind, haben wir alle schon komplett überflüssige IGeL-Leistungen in Anspruch genommen. Was sich so nett anhört, heißt ausgeschrieben Individuelle Gesundheitsleistung und dient nicht ihrer Gesundheit, sondern dem Bankkonto ihres Zahnarztes und anderer Halbgötter in Weiß.
Hab ich mir doch neulich eine aufwändige Paradentose-Behandlung in vier Sitzungen auf-schwätzen lassen. Bis ich es geblickt habe: Ich habe gar keine Paradentose. Mein Zahnfleisch ist pumperlgesund. Habs zum Glück wieder abgesagt.

Detox-Produkte sind auch ganz toll. Den Körper entgiften – das wollen wir doch alle. Nach-dem wir ihn mit Alkohol, Nikotin und anderen Substanzen kräftig vergiftet haben. Das wissen die Werbestrategen und werfen haufenweise Entgiftungs-Pflaster, -Tees und -Pillen auf den Markt. Nachgewiesenermaßen tun die garnichts für die Entgiftung des Körpers. Das erledi-gen Niere, Leber und gesunde Ernährung ganz alleine. Weil wir aber unserem Körper miss-trauen, machen wir den Herstellern die Taschen voll. Schlimmer noch: Die Pflästerchen und Pillen entgiften nicht, sie tun das Gegenteil: In der Regel enthalten sie hochwirksame Gift-stoffe.

Auf Klagen wegen irreführender medizinischer Werbung reagieren die Konzerne gelassen. Sie zahlen 380.—Euro Bußgeld, nehmen das Produkt von der Homepage und stellen es unter ander anderem Namen im selben Moment wieder ein. Aus De-Tox wir dann Free-Tox. Und der Verbraucher wird wieder einmal verarscht. Wenn er sich verarschen lässt. Finger weg von dem Zeug, raten alle Verbraucherzentralen und auch der Mahler meint das. Ich habe gerade die letzten Collagen-Pillen in den Abfluss gespült.

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