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Das Fanal. Mahler meint am 16.4.2019

160203_Mahlermeint_bannerDas war gestern Abend so ein Moment, wo man gebannt vor dem Fernseher – nicht nicht sitzt, sondern steht. Der spitze Turm von Notre Dame fällt. Zuletzt stand ich am 11. September 2001 so da. Und glaubte es auch nicht, dass die Türme des World Trade Center in New York zusammenstürzten wie ein Kartenhaus. Damals traf es das Zentrum der wirtschaftlichen Macht. Diesmal das Symbol der mächtigen Kirche. Obwohl „Unserer lieben Frau auf der Ile de Cite in Paris in einem laizistischen Staat steht – Frankreich trennt konsequent Staat und Kirche – ist ganz Frankreich im Mark getroffen. Staatspräsident Macron sagte eine staatstragende Rede an die Nation ab und eilte zum Ort des Geschehens. 850 Jahre hat die Kathedrale, der Gottesmutter Maria gewidmet, überlebt. Kriege, die Revolution – all das konnte der imposanten Kirche nichts anhaben. Verschwörungstheoretiker witterten auch gleich einen Anschlag – wollte sich doch Emanuel Macron am selben Abend zu den Protesten der Gelbwesten äußern. Und Anschläge von Islamisten haben in Paris eine traurige Tradition. Aller WAhrscheinlichkeit nach war es aber ein Brand, der von Reperaturarbeiten ausgelöst wurde. Zum Beginn der Karwoche – was wiederum Andere auch als Zeichen verstehen. So, wie Christus vom Tod auferstanden ist, wird auch dieses Feuer für die Kirche in Frankreich nicht das letzte Wort haben, so der New Yorker Erzbischof Kardinal Timothy Dolan. Das zu glauben fällt schwer. Das Kulturdenkmal im Herzen von Paris wird die Denkmalpflege sicher wieder hinkriegen – ob die schwer angezählte katholische Kirche nach den jüngsten Niederschlagen noch einmal zu alter Macht findet und glorreich auferstehen wird, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

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