Damn

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Meine Hoffnung, dass die Briten zur Vernunft kommen, starb um 6:33, als Vizekanzler Gabriel sein „Damn“ twitterte. Ja, es ist ein verdammt schlechter Tag für Europa.

 

Jetzt wird eifrig nach den Gründen geforscht. Dabei sind die gar nicht so schwer zu finden.

 

Der Hauptschuldige: David Cameron. Wer 10 Jahre lang sein Volk gegen Europa aufhetzt, weil es ihm Wählerstimmen bringt und dann in letzter Sekunde umschwenkt, weil er merkt, was er angerichtet hat, der braucht sich wahrlich nicht zu wundern, wenn er dabei auf die Bretter geht. Die Ära Cameron ist zu Ende.

 

Europa gleicht einem Boxer, der in den Runden jede Menge einstecken musste. Gestern hat zu allem Überfluss auch noch der Grobrhetoriker Erdogan auf die EU eingedroschen: „Das ist euer hässliches Gesicht“ und will jetzt auch ein Referendum über Beitrittsverhandlungen wie die Briten über den Austritt. Dabei hat Erdogan mit seiner derzeitigen Politik nicht den Hauch einer Chance, die Türkei nach Europa zu führen. Und heute Nacht der unlucky Punch aus Großbritannien. Europa ist vollends auf die Bretter gegangen. Natürlich hat die Börse sofort reagiert und gibt uns eine blasse Vorahnung dafür, was jetzt kommen wird. Die Nationalstaaterei wird munter weitergehen, die Vereinigten Staaten von Europa verschwinden im Reich der Phantasterei. Der Weg, den Helmut Kohl, Kanzler der Einheit und Ehrenbürger Europas eingeschlagen hat, ist zu Ende. Bleibt die bange Frage, was jetzt kommt. An den Außengrenzen im Osten und Süden wird aufgerüstet, der radikale Islam überzieht Europa mit einer Welle der Gewalt. Und dieses uneinige, zerstrittene Europa ist nicht in der Lage, das zu tun, was seine vordringlichste Aufgabe ist: Menschen in Not und Lebensgefahr Schutz zu bieten.

 

Was der Brexit für den Wirtschaftsraum Europa bedeutet? Ich fürchte, aus dem Brexit wird der Exit.

 

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