Da hilft nur noch beten.

Beten Sie? Mit kaum einer anderen Frage kann man Menschen so irritieren, schreibt Heribert Prantl in seinem Buch „Die Kraft der Hoffnung“. Und es stimmt ja: Viele Men-schen beten, wenige geben es zu. Es scheint fast so, als würden sie sich dafür schä-men. Das geflügelte Wort „Da hilft nur noch beten“ drückt es aus. Gebet als letzte Rettung, als Strohhalm. „Das Gebet gibt der Not eine Sprache“, meint Prantl. Und es stimmt: Wenn uns Ausweglosigkeit und Schmerz die Sprache verschlagen, gibt es den Seufzer als Gebet. Oder das Gebet ist Ausdruck der Wut über das Verlassen-sein: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Wer Fragen stellt, resigniert nicht.

Mag sein, dass man gar kein Gegenüber findet für sein Gespräch. Weil man mit religi-ösem Überbau nichts anfangen kann und Gott keine Größe darstellt. Deshalb betrach-ten nicht wenige das Gebet als „therapeutisches Selbstgespräch“. Ich trete in einen inneren Dialog mit mir selbst. Auch gut. Denn die Resignation in mir tritt in einen Di-alog mit der Hoffnung in mir. Vielleicht mit dem letzten Rest an Hellem, der mir noch geblieben ist in der Dunkelheit. Dann hilft das, was wir Gebet nennen, der absoluten Sinnlosigkeit standzuhalten und dem Tod nicht das letzte Wort zu überlassen. Das Ge-bet hat etwas widerständisches, es weckt den Rebellen in uns. Und im besten Fall hilft es beim Wideraufstehen.

Wenn sie also beten schämen sie sich nicht dafür. Und wenn sie es verlernt haben, fangen sie doch wieder damit an. Meinetwegen heimlich. Aber lassen sie sich diese Kraftquelle nicht madig machen. Weil sie selbst sich am meisten schaden, wenn sie den Dialog aufgeben. Mit Gott, mit sich selbst, mit den widerstreitenden Kräften in ihrem Innersten.

Angeregt zu diesen Gedanken hat mit das Buch „Die Kraft der Hoffnung“ von Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung Edition, 24,90, die sich lohnen.

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