Da da Dadaismus

Nein, er hat es nicht verstanden, der Wirtschaftsprüfer in der alemannischen Fasnet-Hochburg Villingen-Schwenningen. Er erschien zum Termin ohne Krawatte, weil die am schmotzigen Donschtig, wie der Faschingsdonnerstag dort heißt, abgeschnitten wird. Und lächelnd erklärt er, dass er die Fasnet und den Carneval nicht brauchen würde.

 

„Ich bin das ganze Jahr lustig.“
Abgesehen davon dass ich die Fastnacht und den Carneval auch nicht brauche meine ich, dass der Sinn hinter dem Ganzen ein durchaus ernstzunehmender ist. Ich schlüpfe in ein anderes Gewand, setze mir ein Maske auf und entfliehe der Wirklichkeit für ein paar Tage. Die digitale Generation nennt das Second Live, und vor Hundert Jahren begann eine Kunstform, die Da-da-ismus heißt. Sie entstand in Zürich, und wenn man nicht näher hinschaut, dann könnte man meinen, diese Lallenden Figuren sind einfach nur durchgeknallt. Ebenso wie die Hofnarren des Mittelalters.
Waren sie auch, die Da-da-isten. Die Unerträglichkeit der Gegenwart hat sie dazu gebracht, den Irrsinn durch Nonsens zu karikieren. Dem Bum-Bum der Kanonen auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs, damals „Stahlgewitter“ geheißen, setzten sie das Da-da-da des vermeintlichen Irren entgegen.
Bis heute ist der Da-da-ismus eine ernstzunehmende Kunstform, mit der es sich lohnt, sich auseinanderzusetzen. Zum Beispiel dann, wenn man nicht das ganze Jahr fröhlich sein kann sondern seine Inseln braucht, auf denen man in einer Pseudo-Welt durchgeknallt durchfeiert und sich über alles und jeden – auch sich selbst- lustig macht. Da nimmt man die ganze bierernste Politik, die beherrschende Angst und Gefahr, die uns umgibt einfach mal auf die Schippe. Narri-Narro, Hellau und Cölle alaf!

Da da Dadaismus
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