Coronakrise: Mehr soziale Konflikte in Familien befürchtet


Mi, 25.03.2020, 6:33
 
Viele Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände sind derzeit gestrichen. Und niemand weiß, wie lange noch. Das kann sich negativ auf Menschen auswirken, die eng zusammen leben.

Berlin (dpa/bb) – In Berlin wird durch die derzeitigen Einschränkungen des Alltags mit einer Zunahme der Spannungen in Familien gerechnet. Das Zusammensein auf engem Raum könne in der Coronakrise dazu führen, dass soziale Konflikte eher eskalierten, teilte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) mit. «Wir stellen uns in dieser Zeit darauf ein, dass Straftaten der häuslichen Gewalt deutlich zunehmen werden.»

Für diese Fälle werden laut Senator trotz der Pandemie Kapazitäten bei der Staatsanwaltschaft bereitgehalten – ebenso bei Zivilgerichten. Oft geht es bei häuslicher Gewalt um Männer, die ihre Frauen schlagen sowie um verprügelte Kinder.

In einem Interview von «Zeit Online» hatte Behrendt zuvor gesagt, erste Zahlen aus Italien und China würden den Schluss nahelegen, dass häusliche Gewalt zunehme. In den Ländern wurde bereits strenger Hausarrest verordnet.

Beim Opferschutz-Verein Weißer Ring in Berlin hieß es, Betroffene könnten derzeit wegen der Coronakrise nicht persönlich besucht werden. Die rund 130 Ehrenamtlichen in der Hauptstadt seien aber im Einsatz und betreuten Kriminalitätsopfer telefonisch, sagte Sprecherin Gisela Raimund der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Online-Beratung laufe, so die Landessprecherin. «Wir sind gut aufgestellt.»

Bislang gibt es laut Verein aber keine verstärkten Meldungen wegen häuslicher Gewalt. Es könne jedoch rasch reagiert und Unterstützung organisiert werden. Nach dem Terroranschlag vom Breitscheidplatz 2016 seien in Berlin Szenarien entwickelt worden, so dass die Kontakte zu anderen Hilfsorganisationen sowie zu Ämtern und Behörden jetzt eng seien und die Fäden zusammenliefen.

Opfer meldeten sich oft nicht zuerst beim Weißen Ring, sondern eher bei der Berliner Gewaltschutzambulanz oder der Polizei, hieß es beim Weißen Ring. Betroffene von häuslicher Gewalt würden sich meist auch nicht beim ersten Mal melden, sondern erst viel später.

Für das vergangene Jahr registrierte die Polizei in Berlin laut Kriminalstatistik 15 645 Opfer innerfamiliärer oder häuslicher Gewalt.
 


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