Corona Krise neu denken: Leben mit leichtem Ballast

In den letzten Monaten habe ich gelernt, mit wenig auszukommen. Mein Radius hat sich ver-kleinert, ich habe wesentlich weniger Klamotten gebraucht wie zu normalen Zeiten, weil ich nur das angezogen habe, worin ich mich wirklich wohlfühle. Ich musste mich für niemanden mehr verkleiden nach dem Motto „Kleider machen Leute.“ Auch die Kontakte haben sich re-duziert auf die Menschen, denen ich wirklich nahe bin. Und ich habe gelernt, mich im Haus ganz anders wohlzufühlen, es nicht so sehr als Gefängnis zu begreifen, sondern als Rückzugs-ort, wo mir alles vertraut ist und wo ich mich sicher fühle – ganz ohne Maske. Das Auto steht nutzlos in der Garage. Ich habe gestern mein altes Fahrrad – ohne Motor – wieder flottge-macht und mich daran gefreut. Ich entdecke immer mehr, was ich wirklich habe – und auch, auf was ich verzichten kann.

Vielleicht ist das ja die Übung für den Jakobsweg, den ich gerne einmal laufen möchte. Beim Bergwandern habe ich es ja auch schon geübt, mit ganz wenig auszukommen und glücklich zu sein. Weniger Sorgen zu haben, das etwas kaputtgeht, geklaut wird oder verlorengeht.

Leben mit leichtem Gepäck lässt die Seele aufatmen. Es lässt mir mehr Zeit, mich mit mir zu beschäftigen, ohne mich ständig abzulenken. Das möchte ich gerne aus der Corona Krise mit-nehmen, wenn der Alltag wieder hochgefahren wird. Ich möchte mich weniger mit Dingen beschäftigen, die ich nicht wirklich brauche und dem wirklich Wesentlichen mehr Raum ge-ben. Was das ist? Für mich sind es Beziehungen zu anderen Menschen und Spiritualität. Wenn die Seele frei atmen kann, bekommt sie auch wieder einen Zugang zu dem, der außerhalb von Zeit und Raum mein Leben einmalig und wertvoll sein lässt. Das Geschöpf entdeckt den Schöpfer neu.

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