Chip-Tuning. Mahler meint am 22.10.2019

Jeder 5. Der 500 Mitarbeiter der schwedischen Firma TUI Nordic hat eine ungewöhnliche Delle zwischen Daumen und Zeigefinger. Sie sparen sich damit den Schlüssel oder den Türcode, auch der Snackautomat funktioniert mittels Handauflegen. Und auch die Drucker im Haus lassen sich mit dem Chip aktivieren. Schuld daran ist kein Big Brother oder Big Data. Die Mitarbeiter ließen sich  das reiskorngroße Implantat freiwillig spritzen, die Nachfrage überstieg das Angebot bei weitem. Probleme sieht der TUI-Geschäftsführer Alexander Huber nicht. Einzig seine Frau sei erstaunt gewesen, dass er sie nicht vorher um Erlaubnis gefragt habe. „Die Skandinavier gehen spielerischer mit dem digitalen Fortschritt um“ sagt der Geschäftsführer von TUI Alexander Huber. In Skandinavien gibt es so gut wie kein Bargeld mehr. Die Chipkarte sei ohnehin genauso passiv wie der Chip auf der Kreditkarte – er kann nur angesteuert werden, hat wenige Daten gespeichert und die Entfernung, auf die er aktiviert werden kann, beträgt nur wenige Millimeter. Vor Datenmissbrauch und dem Ausspähen der von privaten Daten hat Alexander Huber keine Angst. Ist das ein Zeichen von Vertrauen und Fortschrittsgläubigkeit? Oder ist TUI Nordic nur naiv und blauäugig? Noch ist die Körperverletzung freiwillig und kann nicht vom Betrieb verlangt werden. Was aber, wenn bestimmte Funktionen nur noch mit dem Implantat möglich sind? Ärzte nur noch behandeln, wenn sie die Daten des Patienten am Körper direkt auslesen können? Wir nur noch einkaufen können, wenn wir die Hand auf den Scanner an der Supermarktkasse legen? Vielleicht bin ich zu misstrauisch. Das hat allerdings damit zu tun, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass jeder technische Fortschritt zum Segen und zum Fluch werden kann. Siehe Kernspaltung, Dynamit und Schwarzpulver. Allesamt harmloser als Datenmissbrauch.

Chip-Tuning. Mahler meint am 22.10.2019
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