CDU fordert Digitalprogramm für Schulen und Samstagsunterricht


Mi, 13.05.2020, 12:09
 
Die Corona-Krise hat den Alltag für Berlins Schüler und Lehrer komplett verändert: Nichts ist mehr so wie es noch vor kurzem war. Höchste Zeit, die Schulen fit für die Zukunft zu machen, so die CDU.

Berlin (dpa/bb) – Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus fordert ein großangelegtes Programm zur Digitalisierung aller Schulen in der Hauptstadt. Nötig seien flächendeckend Breitbandanschlüsse, WLAN und eine einheitliche digitale Lernplattform (Cloud), sagte Fraktionschef Burkard Dregger am Mittwoch. Für alle rund 360 000 Schüler und ihre Lehrer müssten einheitliche Endgeräte her, was über ein Leihsystem, aber auch private Geräte umgesetzt werden könne.

Die CDU regt in ihrem Konzept «Schule neu denken» zudem eine systematische und verpflichtende digitale Weiterbildung von Lehrern in den Sommerferien an: Eine Art digitaler Führerschein soll sie fit machen für die neue Zeit, soweit sie das noch nicht sind. Entsprechende Angebote für Eltern müsse es ebenfalls geben.

«Wir wollen einen Quantensprung in der Qualität machen», unterstrich Dregger. Ziel sei eine neue Normalität in der Corona-Krise aus Präsenzunterricht in Schichten und virtuellem Lernen zu Hause. Denn klar sei schon jetzt, dass auch im kommenden Schuljahr an den Schulen nichts so sein werde wie früher.

Schulen müssten als kritische Infrastruktur und als systemrelevant eingestuft werden. «Jetzt muss geliefert werden, denn anderenfalls wird Schulunterricht und die Erfüllung des Bildungsauftrages unmöglich», so Dregger.

Ein integrierter digitaler Unterricht an Schulen und zu Hause schwebt der CDU-Fraktion nach den Worten ihres bildungspolitischen Sprechers Dirk Stettner vor allem für Schüler ab der 4. Klasse vor. Die Klassenstufen 1 bis 3 benötigten mehr Präsenzunterricht im Klassenraum, dies sei unabdingbar.

Neben Schichten schlägt die CDU für diese Kinder zusätzlichen Unterricht an jedem zweiten Samstag vor. Vor einigen Jahrzehnten war Samstagsunterricht an deutschen Schulen in Ost und West Normalität.

Inspiriert von vergangenen Zeiten könnte auch der CDU-Vorschlag sein, in den Sommerferien ab dem 25. Juni Angebote für Kinder zu unterbreiten, die wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen zeitweisen Schulschließungen «riesige Wissenslücken» haben. In Zusammenarbeit etwa mit Sport- und Kulturvereinen oder Theatern könnten in Sommerkursen Lernen und Freizeitgestaltung verbunden werden, so Stettner. Das erinnert manchen an die DDR-Ferienspiele, die an Schulen stattfanden und – freilich noch ohne die Möglichkeiten der digitalen Welt – ein ähnliches Konzept verfolgten.

Das gesamte CDU-Konzept «Schule neu denken» dürfte dreistellige Millionenbeträge kosten. Allein für die Anschaffung von Leihgeräten könnten bis zu 100 Millionen Euro fällig werden, so Dregger – wenn tatsächlich jeder Schüler ein solches Gerät benötige, was unwahrscheinlich sei.

Aus dem Digitalpakt des Bundes stehen Berlin für schnelles Internet oder bessere Server an Schulen bis 2024 rund 257 Millionen Euro zur Verfügung. Und der Senat hat zur Digitalisierung von Schulen seit 2019 ein Konzept. Allerdings ist der Aufbruch in die schöne neue Digitalwelt bisher auf Jahre ausgelegt. So sollen allgemeinbildende Schulen erst bis 2023 komplett über starke Breitbandanschlüsse verfügen. Dieses langsame Tempo geht gar nicht, findet die CDU.
 


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