Cantate.

Gestern fand in den Kirchen ein besonderer Gottesdienst statt. „Cantate – singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ – das ist die Überschrift für den vierten Sonntag nach Ostern. Und so saßen wir da – mit verschlossenen Mündern und abgedeckten Mienen, auf Abstand und auf strenge Hygieneregeln achtend. Wir sangen vielleicht im Herzen mit, wie es uns empfohlen wurde, ob die Internetgemeinde, die das alles per YouTube mitgefeiert hat, zu Hause kräftig gesungen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ – das ging uns gestern auch gedanklich nicht so recht runter. Dann vielleicht ein anderes Lied: „Wie oft will uns das Lob versiegen, das wir dir zur Ehre sin-gen, denn das Leid aus vielen Kriegen will uns zum Verstummen bringen.“ Wir hörten einen Bericht aus unserer Partnergemeinde in Indien. Und haben spontan Geld gesammelt, in 14 Tagen werden wir es noch einmal angekündigt tun. Dort ist das Leid aus vielen Kriegen noch sehr viel greifbarer als bei uns. Was Wunder, wenn wir Lieder über die Schöpfung, die den Schöpfer preist, nicht mitsingen konnten. Die Schöpfung ist zutiefst gemartert und ausge-beutet, Corona ist eine Reaktion auf das, was wir mit ihr gemacht haben. Artensterben, Kli-makatastrophe, Monokulturen, Ausbeutung bis aufs Letzte – was der Mensch sät, das wird er ernten. Wir fahren derzeit global eine grausame Ernte ein. Schließlich haben wir doch noch ein Klage- und Loblied auf die Schöpfung und den Schöpfer gesungen. Er will mit uns daran arbeiten, dass wir nicht mehr zerstörend, sondern heilend unterwegs sind. Ein „weiter so“ nach Corona wird und darf es nicht geben. Sondern ein neuer, achtsamer Umgang mit allem Geschaffenen. Wenn wir das begreifen, haben wir die richtigen Lehren aus der globalen Krise gezogen.

Cantate.
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