Brandenburger Flüchtlingshilfe im Mittelmeer mit größerem Schiff

SeaWatch_Schiff_RettungswesteSkipper Ingo Werth hat mehrere Rettungseinsätze der «Sea Watch» im Mittelmeer begleitet. Er nennt die Lage der Flüchtlinge eine Tragödie. Und er fürchtet, dass es in diesem Jahr noch schlimmer wird.

Hilfseinsätze für Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer werden nach Einschätzung der Brandenburger Flüchtlingshilfe- Initiative «Sea Watch» in diesem Jahr nötiger denn je. Wenn die Türkei wie mit der EU vereinbart die Fluchtwege über die Ägäis verschließe, werde die Situation vor der libyschen Küste noch sehr viel dramatischer, sagte Ingo Werth von der «Sea Watch» am Freitag in Hamburg. Dort wurde das neue Rettungsschiff vorgestellt.

 

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 3771 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen – mehr als je zuvor binnen eines Jahres. Nach Angaben Werths warten um das libysche Tripolis herum etwa eine Million Menschen auf eine Möglichkeit, nach Europa zu kommen.

 

Die «Sea Watch II» ist doppelt so groß wie die «Sea Watch», ein fast 100 Jahre alter Fischkutter. Das 1968 gebaute frühere Fischfang- Forschungsschiff sei ganzjährig einsetzbar und biete auch Platz für die medizinische Versorgung, sagte Werth. Das Schiff ist 33 Meter lang, acht Meter breit. Es soll bis Ende Februar überholt und ausgebaut werden und im April im Mittelmeer sein.

 

Im Vorjahr hatte die spendenfinanzierte private Initiative nach eigenen Angaben mehr als 2000 Menschen gerettet. Da das Schiff zu klein war, um viele Flüchtlinge aufzunehmen, wurden die Hauptrouten der Flüchtlinge kontrolliert. Im Notfall konnten die Helfer die Menschen auf ihren nicht seetauglichen Schlauchbooten mit Rettungswesten und Wasser versorgen, auf Rettungsinseln bringen und Hilfe anfordern. Dieses Konzept soll beibehalten werden.

 

Skipper Werth, der im Vorjahr mehrere Einsätze im Mittelmeer geleitet hatte, kritisierte die Politik der EU. «Die Boote der Flüchtlinge schaffen es mit Glück aus der libyschen 24-Meilen-Zone. Die Schiffe der EU liegen aber meistens 30 Kilometer vor Sizilien. Bis dahin kommt kein Flüchtlingsboot.» Die Rettung der Menschen habe offenbar keine Priorität für die EU-Mission.

 

Werth widersprach Behördenangaben, wonach das zu überwachende Gebiet etwa so groß wie die Bundesrepublik sei. «Man bräuchte nur ein 75 x 20 Seemeilen großes Gebiet zu kontrollieren.»

 

Bislang habe die Initiative eine Million Euro Spendengelder erhalten, sagte Sprecher Ruben Neugebauer. Das neue Schiff habe 200 000 Euro gekostet. Die gesamte Rettungsmission werden in diesem Jahr mindestens 550 000 Euro kosten. (dpa)

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