Bis dass der Tod uns löscht. Mahler meint am 22.6.2018

160203_Mahlermeint_bannerEs war ein tragischer Tod. Die junge Mutter war gerade mal 42 Jahre alt geworden. Sie hat ein Leben lang akribisch Tagebuch geschrieben. Sie hat die Bücher in eine Kiste getan. Ihre Kiste. Niemand sollte ihre persönlichen Erinnerungen jemals in die Finger bekommen. Sie hatte das leider nicht testamentarisch verfügt, bis zum Schluss glaubte sie an ein Spenderorgan, glaubte, dass sie es schaffen würde.

Ihr Mann hat lange mit sich gekämpft – und hat dann schließlich doch die Kiste aufgemacht. Er bekam dort Dinge zu lesen, die ihn tief erschüttert haben. Was in den Aufschrieben Realität war und wo die junge Frau ihre Tagträume und Fantasien verewigt hatte, ließ sich nicht posthum mehr klären.

Apropos posthum: Was geschieht mit meinen Daten, wenn ich einmal sterben sollte? In einem langen Journalisten- und Pastorenleben ist einiges zusammen gekommen. Die Sendungen und Artikel gehören rechtlich der Redaktion, für die ich sie produziert habe. Die persönlichen Aufschriebe und Arbeiten möchte ich nicht insgesamt der Nachwelt hinterlassen.

In der digitalen Welt ist die Sache noch komplizierter geworden. Papier kann man schreddern und entsorgen. Was aber ist mit Face-Book-Daten?

Gestern hat Bundesgerichtshof in Karlsruhe darüber verhandelt, was mit den Daten der 15jährigen geschehen soll, die in Berlin von einer S-Bahn erfasst wurde und zu Tode kam. Die Eltern erhoffen sich Klarheit via Facebook-Einträgen. Muss Facebook die Daten einer Minderjährigen an die Erziehungsberechtigten herausgeben? Ich bin auf das Urteil am 12. Juli gespannt.

Ich meine, dass persönliche Daten geschützt bleiben müssen – es sei denn, der oder die Verstorbene hat es anders verfügt. Klarheit schaffen kann man in einem Testament nicht früh genug – keiner von uns weiß, wann seine Stunde schlägt.

Bis dass der Tod uns löscht. Mahler meint am 22.6.2018
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