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Bedeutung des Geldes heute

Laut einer Studie meinen 37 Prozent der Deutschen, dass Geld glücklich macht. 61 Prozent hingegen sind davon überzeugt, dass Geld und Glück nichts gemeinsam haben. Dennoch beeinflusst Geld, oder wieviel wir davon haben, unser Leben wesentlich. Das beginnt bei Fixkosten wie Miete, Lebensmitteleinkauf und Energiekosten. Wer zu wenig Geld hat, ist nicht zwangsläufig unglücklich, aber das ständige „knapp bei Kasse“ sein, geht nachweislich auf Kosten der Gesundheit und Lebensqualität.

Besonders Studenten und Alleinerziehende kennen das Gefühl, wenn sich der Monat dem Ende neigt und in der Haushaltskasse Ebbe herrscht. Dabei ist Geld nur bedrucktes Papier, und doch wäre es undenkbar, keine dieser Papiernoten in Händen zu halten. Wichtig ist das bestehende Vertrauen in eine Währung, die das Geld zu einem legalen Zahlungsmittel macht.

 

Geld als Statussymbol

Geld ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, denn es beeinflusst unser Leben, die Gesellschaft mittlerweile zu sehr. Autark leben, sich selbst versorgen, wäre für viele Bundesbürger, die einen gewissen Standard gewohnt sind, kaum vorstellbar in der heutigen Zeit. In einer Ära, in der mit Bitcoins und Plastikkarten bezahlt, das Essen bis an die Haustür geliefert und der Urlaubsort mit dem Flieger erreicht wird, ist Geld präsent wie nie. Es ist die Basis für verschiedenste Statussymbole, die bereits Kinder im frühesten Alter für sich beanspruchen, sofern sie das daheim so erleben. Häufig ist es nötig, erst einmal Geld zu leihen, bevor ein eigenes Mittel zum Kapitalaufbau entstehen kann – ein Paradoxon, aber doch ein Fixpunkt der Gesellschaft.

 

Kein Kind, dessen Eltern mit Hartz IV auskommen müssen, würde auf Turnschuhe einer bestimmten Marke bestehen oder das neueste Smartphone besitzen. Autos, teure Uhren, Immobilien, Eigenheim, exklusive Urlaube und Designerkleidung zählen zu den begehrtesten Objekten, für die sogar Kredite aufgenommen werden. Hauptsache, ein Smartphone der neuesten Generation ist mein. Nach diesem Motto wird gelebt und gearbeitet. Generationen lebten über einen Tausch Ware gegen Ware. Heute ist Geld nur Mittel zum Zweck. Ware gegen Geld. Nicht wenige Menschen definieren ihren Selbstwert über Geld. Fatal, wenn man bedenkt, dass Frauen weniger verdienen als Männer und Männer hingegen ihre Probleme haben, wenn sie eine Frau haben, die mehr verdient.

 

Kredit für Immobilien, Auto, Urlaub etc.
Die Hauptgründe, um einen Kredit aufzunehmen, liegen im Wunsch, sesshaft zu werden oder mobiler zu leben. Das Eigenheim ist Top 1 im Ranking, dicht gefolgt von einem neuen Auto oder einem unvergesslichen Urlaub. Das Studium ist ein weiterer Faktor für eine Kreditaufnahme. Sich auf das Studium zu konzentrieren, ohne nebenbei Vollzeit arbeiten zu müssen, erlaubt einen rascheren Abschluss und damit die Chance auf einen gut bezahlten Job. Wer viel Geld verdienen möchte, sollte äußerst flexibel und risikobereit sein. Das macht dann die Sorge um die Rückzahlung der Kreditraten deutlich unkomplizierter. Grundsätzlich bildet Geld zwar die Lebensgrundlage, aber es sollte nicht zum Mittelpunkt unseres Lebens mutieren.

 

Geld kann mitunter zu Vereinsamung führen. Senioren oder Kinder aus finanziell angespannten Verhältnissen können nicht an sozialen Veranstaltungen teilnehmen, die Geld kosten. Klassenfahrten, Schulausflüge und die Schulausstattung in den ersten Wochen des neuen Schuljahres sind wahre Kostenfresser, die das Haushaltsbudget belasten. Wie bei Senioren kann das dazu führen, dass sich Betroffene aus dem sozialen Leben zurückziehen und vereinsamen. Nicht mithalten können, sich nichts leisten können. Daraus entsteht eine Abwärtsspirale, die Kehrseite unserer Konsumgesellschaft. Wer sparen kann, versucht sich etwas auf die hohe Kante, aufs Sparbuch zu legen. Erspartes für schlechte Zeiten zu haben, ist nicht für alle leistbar, wenn erst einmal laufende Zahlungen erledigt werden müssen. Da denkt niemand an den nächsten Urlaub an der Sonnenküste Frankreichs oder an ein neues Auto, obwohl das alte Fahrzeug den TÜV kaum überstehen wird.

 

Wie verändert Geld die Menschen

Das Easterlin-Paradox besagt, das mehr Reichtum in der Gesellschaft nicht zu einer höheren Lebenszufriedenheit der Menschen führt. Der namensgebende Forscher erkannte in seinen Studien, dass trotz einer Verdoppelung des Einkommens die Zufriedenheit der amerikanischen Arbeitnehmer nicht höher ausfiel. Kolumbien oder Puerto Rico mit einem deutlich geringeren Pro-Kopf-Einkommen sind zufrieden mit ihrem Leben. Die Wissenschaft hinterfragt nach der dem Easterlin-Paradox, wie wichtig Geld für das subjektive Empfinden von Glück ist.

Es gibt gewisse Grundbedürfnisse wie Unterkunft und Essen, die gestillt werden müssen. Menschen mit einem sehr niedrigen Einkommen neigen zu Depressionen und Traurigkeit. Das liegt zum Beispiel an der Tatsache, dass kleinere Mängel im Haushalt zu finanziellen Belastungen führen, die besser verdienende Menschen nicht einmal als Belastung in irgendeiner Form empfinden würden. Ein kaputter Herd wird repariert oder gar ersetzt. Geld macht also glücklich, wenn es die Existenz sichert.

 

Hartz IV

Leben mit Hartz IV treibt Blüten mit der Fantasie der Menschen. Es bestehen viele, teils ungerechtfertigte, Vorurteile über Menschen, die mit Hartz IV leben müssen. Bescheidenheit ist eine Tugend, heißt es. Wer unter diesen Bedingungen lebt, weiß, dass man auch mit deutlich weniger Geld auskommen lernen kann und nicht weniger glücklich sein kann. Geld ist zwar Mittel zum Punkt, aber Kinder lernen durchaus, dass familiärer Zusammenhalt und Aufmerksamkeit seitens der Eltern wichtiger sind als ein teurer Ferrari vor dem Einfamilienhaus.

Mittlerweile lebt laut Statistik jedes siebte Kind in Deutschland von Hartz IV. Viele Eltern versuchen trotz eingeschränkter finanzieller Mittel ihren Kindern ein angenehmes Leben ohne gravierende Entbehrungen zu bieten. Wie Familien mit dieser Situation umgehen, ist sehr unterschiedlich. Manche betrachten sich als arm, während andere kämpfen und den Anschluss halten möchten. Hier werden bewusst Ausgaben für Markenkleidung einkalkuliert, um das Kind vor einem sozialen Ausgrenzen zu schützen.

 

Philanthropen, die geheim spenden – Macht Geld glücklich?
Menschen, die viel Geld besitzen, zeigen das nicht gern. Das hat nichts mit Geiz oder ähnlichem zu tun, sondern schlicht mit der Erkenntnis, dass man sich damit nicht explizit rühmen mag wie so mancher Neureiche, der sein Geld durch einen Lottogewinn gemacht hat. Bei vielen, die zu schnell an zu viel oder mehr Geld gekommen sind, ist es tatsächlich so, dass der Drang, seinen Reichtum zu präsentieren und mit beiden Händen auszugeben, sehr ausgeprägt ist. Andere sind extrem geizig, aus Angst, das Geld zu verlieren. Diese Reaktion nennen Psychologen das Sudden wealth syndrome. Paranoia, Schuldgefühle und Depressionen können die Folge sein.

 

Philanthropen hingegen schätzen die Tatsache, Geld zu besitzen, um anderes Gutes zu tun. Sie spenden gerne, bleiben bevorzugt im Hintergrund und verzichten auf plakative Hinweise, wer der edle Spender ist. Ganz im Gegenteil, bewusster Verzicht auf jegliche Statussymbole oder Geld ist bei einem Philanthropen eine Lebensphilosophie.

 

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