Auf Halde

Mahler meint am 23.11.2015
 
Ich habe mit meiner Frau erst mal diskutiert, was Jade überhaupt ist. Es ist ein Schmuckstein aus Mineral-Gemengen. Das wusste Wikipedia. In China begehrt und beliebt, bei uns wohl nicht so sehr in Mode. Burma bezieht etwa die Hälfte seines Bruttoinlandeinkommens aus dem Jade-Verkauf. Vor allem nach China gehen die Steine, allerdings oft auf dunklen Kanälen. Burma ist bitter arm. Deshalb durchwühlen die Menschen Abraumhalden, um einen dieser Steine zu finden und zu Geld zu machen.
In Burma wurden am Wochenende bei einem Erdrutsch 100 Menschen verschüttet, etwa hundert gelten noch als vermisst. Die Opfer suchten offenbar gerade nach kostbaren Jade-Stücken, als sich ein 300 Meter hoher Schuttberg löste.
Allerdings nur eine Meldung unter vielen, auch die Opferzahlen sind nicht spektakulär, wenn man an die vielen Grubenunglücke und Naturkatastrophen denkt, die unseren Globus heimsuchen. Aber das Unglück in Burma, wo gerade die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi zur neuen Präsidentin gewählt wurde, richtet meinen Blick auf ein globalen Problem. Auf die Müllkippen auf den Philippinen. Auf die Elektroschrott-Müllhalden in Ghana, wo Kinder Aluminium, Kupfer und Eisen aus alten Rechnern und Druckern holen und sich und die Umwelt dabei vergiften. Auf die Blumenplantagen in Südamerika, wo unsere Schnittblumen mit Pestiziden hochgepäppelt werden – ohne Schutz und Rücksicht auf Verluste an Menschen. Ich könnte noch eine Weile so weitermachen.
Unser Wohlstand hat eben viele Hinterhöfe, wo produziert und verklappt wird. Für mich ein weiterer Grund darüber nachzudenken, wie ich was konsumiere. Nur wir Verbraucher können den Wahnsinn stoppen und Menschenleben retten. Wirtschaftspolitik wird mit dem Einkaufskorb gemacht.
 
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