Auf der Suche nach Verbündeten

 

Recep Tayyip Erdoğan wettert gegen alle und jeden, der keinen Kniefall vor ihm macht. Er schießt sich gerade systematisch aus der EU raus. Weil er mit aller Gewalt sein Präsidialsystem durchdrücken will, das ihm die uneingeschränkte Macht garantiert. Aber so langsam gehen ihm die Verbündeten aus. Was liegt da näher, als sich einen neuen Kumpel zu suchen, der ähnlich tickt wie er. Klar – Vladimir Putin switchte zwischen Präsident und Ministerpräsident hin und her mit der einzigen Absicht, Macht auf seine Person zu vereinen. Seit 1999 ist er in Moskau am Drücker.

 

 

Dumm nur, dass die Türken Ende letzten Jahres einen russischen Kampfjet abgeschossen haben. Dumm auch, dass sie im Krieg gegen den IS unterschiedliche Bündnispartner haben – die Russen stützen Assad, die Türken die Opposition. Die Türken bekämpfen die Kurden, die Russen sehen in ihnen einen Verbündeten im Kampf gegen den IS.

Deshalb ist das Verhältnis zwischen Russland und der Türkei abgekühlt, was zur Folge hat, dass russischen Touristen – die größte Gruppe der vergangenen Jahre – ausbleiben und für die Türkei wichtige Energieprojekte wie eine Pipeline und ein Atomkraftwerk auf russischem Eis liegen.

 

 

Erdoğan  will, nein er muss das Eis auftauen. Er braucht für seinen Kurs dringend Verbündete, sonst wird die Türkei in eine tiefe Staatskrise stürzen. Und den nächsten Putsch er mit Sicherheit nicht überstehen.

 

 

Vladimir Putin träumt indes von einer neuen eurasischen Allianz. Die Südflanke ist von entscheidender Bedeutung. Darum ist neben der Türkei auch Syrien und Israel im Visier Putins, der weiter seine Großmachtphantasien vor politische Vernunft setzt. Und in Erdogan einen kongenialen Partner für diese Denke gefunden hat

Auf der Suche nach Verbündeten
Auf der Suche nach Verbündeten bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4,14 von 5 Punkten, basierend auf 7 abgegebenen Stimmen.
Loading...