Auch Social distancing macht krank.

Da haben wir viel Geld, Zeit und Energie in ein gemütliches Zuhause investiert. In ein Nest, in das wir uns immer flüchten können. Bei Regenwetter oder Schneetreiben einkuscheln und im Idealfall ein Feuer im Kaminofen entzünden. Eine meiner Pink-Floyd-Lieblingstextzeilen steckt im Song Breathe: „When I come home cold and tiered it’s good to warm my bones beside the fire.” Ich hab das oft vor mich hin gesummt, wenn ich im Winter unterwegs war. Und da sind wir am Kern des Problems: Menschen, die gar nicht mehr rauskommen, sich der Kälte ausset-zen, müde und gestresst den Heimathafen erreichen – sie kennen dieses „Homecoming“ Ge-fühl nicht mehr.

Ich habe mich lange gefragt, warum ich jetzt, im ersehnten Ruhestand, im Corona-Lockdown dieses Gefühl nicht mehr spüre, zu Hause absolut geborgen zu sein. Es liegt an der Routine. Ich habe auf der einen Seite alles mehr als genug: Zeit, Bücher, Couch, Kaminfeuer, Filme schauen, Sport machen, gut und gesund essen und trinken. Mir fehlt auf der anderen Seite extrem: rausgehen, unerwartete Begegnungen, kleine Alltagsabenteuer, Reisen und Heim-kommen, Umarmungen, Freunde treffen, Kultur und Kirche erleben ….

Nicht nur das Virus macht krank, auch das Social Distancing macht viel mit der Seele. Ja, Ying und Yang, da ist es wieder: der Gegensatz macht das Leben spannend. Nähe und Distanz, Glück und Leid, Kälte und Wärme ….

Es bleibt uns für die nächsten Monate wohl nichts anderes übrig, als unser Kopfkino, unsere Erinnerungen zu bemühen, um die abgespeicherten Abenteuer ins Bewusstsein zu hieven o-der ganz neue zu erleben. Es gibt da die Methode der „Gedankenreise“. Probieren sie das mal aus. Anleitungen gibt’s im Internet in Hülle und Fülle.

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