Auch Hass ist ansteckend.

Dass immer mehr Menschen auf die Straße gehen, um ihren Unmut über die Corona-Maßnah-men auszudrücken, ist grundsätzlich ein erfreulicher Ausdruck gelebter Demokratie. Mei-nungsfreiheit und Versammlungsfreiheit sollten auch in diesen Zeiten gewahrt bleiben. Schwierig wird es allerdings, wenn bei den Versammlungen die Hygieneaspekte massenweise missachtet werden. Noch mehr Sorge muss man angesichts der Zusammensetzung der De-monstranten machen. Denn es sind eben nicht nur besorgte Bürger, die sich Sorgen machen, dass die Impfpflicht flächendeckend eingeführt oder die Wirtschaft abgewürgt wird, es sind auch Reichsbürger, radikale Christen, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Vertreter der neuen Partei Widerstand 2020 darunter. Mit ihnen protestieren Seit an Seit ganz normale Bürgerinnen und Bürger aus der politischen Mitte. Die Radikalen wittern ihre Chance wie wei-land bei der Pegida-Bewegung, Unzufriedene vor ihren politischen Karren zu spannen. So sorgt sich Ute Vogt, SPD darum, „dass berechtigte Fragen nach der Verhältnismäßigkeit von Maß-nahmen nicht mehr diskutiert werden können, ohne dass gleich alle möglichen irren, wirren oder gar bösartigen Menschen den Zugang zu Mikrofonen erhalten.“

Deshalb muss jede und jeder prüfen, ob er bzw. sie sich wirklich mit Reichsbürgern, Verschwö-rungstheoretikern oder gar Extremisten gemein machen möchte. Die haben jetzt dank Corona ihre Bühne und reiben sich die Hände. Die AfD plant inzwischen eine Großdemo am Samstag in einer Woche in Stuttgart oder Karlsruhe. Meine Hoffnung ist, dass viele Demokraten erken-nen, dass nicht nur das Virus, sondern auch der Hass ansteckend ist. Seinen Frust, seine Sorgen und seine abweichende Meinung kann man auch anders ausdrücken, als mit Radikalen ge-meinsam auf die Straße zu gehen. Die Spaltung der Gesellschaft ist das letzte, was wir jetzt brauchen können.

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