Am 8. Mai wird gefeiert – nur was?

Für mich ist der 8. Mai schon immer ein Feiertag gewesen. Also eigentlich genau seit 42 Jah-ren. Am 8. Mai wurde unser Sohn geboren – ausgerechnet am Tag des Kriegsendes. Das hatten wir als Friedensbewegte doch ganz gut hingekriegt – ganz ohne Wunschkaiserschnitt. Nach der Entbindung – ich war einer der ersten Väter, die in den Kreissaal durften – war ich so fertig, dass ich erst mal chinesisch essen gegangen bin, um zu feiern und zu Kräften zu kommen.

Jetzt soll der 8. Mai ganz offiziell ein Feiertag werden. Das wünschen sich verschiedene Ge-werkschaften und Verbände in Deutschland. „Tag der absoluten Niederlage“ nennt ihn AfD-Chef Alexander Gauland und erntet damit die einkalkulierte Empörung. Der Grüne Cem Özde-mir nennt den 8. Mai 1945 Tag des Sieges über den Nazi-Terror. Meine Oma sagte dazu: der Tag des Zusammenbruchs. Wie dem auch sei, wie man diesen Tag auch nennen mag – es ist ein Tag der geschichtlichen Wende. Zusammenbruch von etwas unvorstellbar Schlechtem, Neubeginn von etwas Gutem. So hoffte man auf jeden Fall. „Nie wieder Krieg!“ war die Parole. „Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfaulen“ – dieses Zitat wird Franz-Joseph Strauß zugeschrieben – allerdings muss es wohl mit dem Zusatz versehen werden, dass er von einem Angriffskrieg sprach.

Zurück zum Feiertag: Ja, natürlich. Ein Tag des Erinnerns und Gedenkens, des Nachdenkens über Geschichte und Politik. Aber wie der Geburtstag meines Sohnes nicht automatisch ein arbeitsfreier Tag ist, sollte gerade am Tag des Kriegsendes kräftig gearbeitet werden. Und da-bei auch des grandiosen Wiederaufbaus gedacht werden. Kundgebungen und Kranzniederle-gungen gerne – aber bitte nach Feierabend. Arbeitsfreie Tage, um nichts anderes zu tun als zu

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