Alles wird teurer.

Eher zufällig habe ich ein Gespräch in einem Mode-Geschäft an der Nordsee mitgehört. Ein Stammgast, Rentner, beklagte sich darüber, dass seine kleine Rente für solche Eskapaden wir ein paar Tage Urlaub an der See nicht mehr ausreicht. Er habe bei seiner alten Firma an-gefragt, ob er nicht noch ein wenig auf Geringverdiener Basis mitarbeiten dürfe.

Mir ist das Gespräch deshalb unter die Haut gegangen, weil ich ein Rentnerpaar in meinem nahen Umfeld kenne, die beide ein Leben lang gearbeitet und eingezahlt haben. Sie haben ihre Kinder nach Kräften unterstützt und leben in einer Mitwohnung. Das Auto ist untere Mittelklasse, Urlaube sind selten und wenn dann sehr kurz.

Beide sind Minijobber – und so ging es bisher, den bescheidenen Lebensstil zu halten. Jetzt hat sie ihren Minijob verloren. Und die Miete zieht deutlich an. Die Lebenshaltungs- und Energiekosten laufen aus dem Ruder. Die Folge: schlechter Schlaf, Existenzängste.

Genau diese Leute trifft es jetzt richtig hart. Da ist die Frage nicht mehr, ob es gerade Sonnenblumenöl oder Klopapier zu kaufen gibt. Da geht es langsam an die Substanz. Die BZ schrieb vor einigen Wochen: Ausgerechnet zur Grillsaison wird der Senf knapp. In einem Supermarkt nahe Berlin läuft ein Kunde mit einem Arm voll Senftuben zur Kasse. Kommentar meines Sohnes: Da bomben sie in der Ukraine den Leuten die Wohnung unterm Arsch weg und der hat nichts Besseres zu tun, als Senf für seine Bratwurscht zu horten. Da ist Fremdschämen angesagt. Und ich schäme mich auch, weil ich gestern darüber gejammert habe, dass die Autowaschanlage Einsfünfzig aufgeschlagen hat.

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