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RP-Spezial: Nordkirche in Indien

Schriftlesung während der Zeremonie des Flaggehissens

Feier des Reformationsjubiläums in der Assam-Diözese. Fotos: Matthias Kahnert/ Zentrum für Mission und Ökumene

Geistliche Impulse, vielfältige Eindrücke und wertvolle Informationen hat eine Delegation der Nordkirche von ihrem Besuch bei der Assam-Diözese, einer ihrer Partnerkirchen in Indien, mitgebracht. Gemeinsam mit Landesbischof Gerhard Ulrich haben Mitglieder der Kirchenleitung und Vertreter des Zentrums für Mission und Ökumene Gemeinden und Einrichtungen der Partnerkirche besucht, zahlreiche Gespräche geführt und an den Feierlichkeiten der erst vor 30 Jahren gegründeten Assam-Diözese zum Reformationsjubiläum teilgenommen.

 

In unserem Spezial am 24. Februar hat Ulrich von dem Besuch in Indien berichtet. Hören Sie es hier noch einmal:

 

 

 

 

Über die indische Partnerkirche sagt Bischof Ulrich: „Wir können in unserem reichen Land, in unserer reichen Kirche viel von unseren indischen Gastgebern lernen: von der Begeisterung, von der Tiefe des Glaubens als Quelle der Hoffnung in dieser Welt, von den lebendigen Gottesdiensten und von der Freude an der Fülle, die Gott schenkt, vom Engagement unserer Schwestern und Brüder für eine menschenfreundliche Gesellschaft inmitten bitterer Armut.“

 

Besonderer Höhepunkt des Festes zum Reformationsjubiläum war ein Kongress in Jiagabhoru, an dem Grußwort des Landesbischofs der Nordkirche Bischof Gerhard Ulriauch die Gäste aus der Nordkirche mitwirkten. So gestalteten sie Workshops zu theologischen Themen der Reformation, zu kirchlicher Frauen- und Pfadfinderarbeit. Landesbischof Ulrich, der um zwei theologische Vorträge gebeten worden war, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der vergleichsweise kleinen Partnerkirche bei der Vorbereitung des Reformationskongresses: „Die große Beteiligung der Gemeindeglieder ist ein Zeichen der starken Gemeinschaft und des Zusammenhalts in dieser Kirche, die sich den oft schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen im Norden Indiens stellt.“ So gebe es ethnische Konflikte um Land und Ressourcen; aus den Nachbarländern suchten viele Menschen Zuflucht in Assam, das selbst unter den wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung leide. Durch ihren Einsatz in der Bildungs- und Sozialarbeit habe die Assam-Gemeinde „ihre Rolle als Verkündigerin des Friedens und der Gerechtigkeit“ gefunden, so Ulrich weiter.

 

Auch vor diesem Hintergrund hatte der Landesbischof beim Reformationskongress in Jiagabhoru unterstrichen, dass Christen überall, in ihrer jeweils konkreten Lebenswirklichkeit dazu gerufen seien, „verantwortungsvolle Bürger in Gottes Welt und gute Verwalter seiner Schöpfung“ zu sein. Damit griff er zugleich das Motto des Lutherischen Weltbundes für das Reformationsjubiläum 2017 auf: „Befreit durch Gottes Gnade“. Weder Mensch noch Schöpfung dürften als Ware betrachtet werden, deren Wert in Kategorien des Profits bemessen werden könnte, erklärte Ulrich weiter: „Als christliche Mitbürger dieser Welt erheben wir deshalb unsere Stimmen gegen Unrecht und Ausbeutung. Wir schweigen nicht, wenn die Würde einzelner Menschen oder bestimmter Gruppen verletzt wird.“

 

Assam-Diözese Foto_ Zentrum für Mission und ÖkumeneDie Nordkirchen-Delegation besuchte während ihres Aufenthaltes unter anderem zwei Teegarten-Projekte, in denen Menschen aus armen Dörfern Arbeit finden. Zugleich sollen die Projekte kirchliche und diakonische Arbeit auf Dauer finanziell stützen. „Ich bin tief beeindruckt von der geistlich und theologisch gegründeten Kraft der Assam-Kirche. Sie ist sich ihrer Wurzeln in der Mission bewusst, lebt jedoch in der Gegenwart als indische Kirche: selbstverantwortlich und befreit von Abhängigkeiten“, so Ulrich.

 

„Vor allem Frauen bringen die Kirche hier voran“, sagte nach seiner Rückkehr Propst Stefan Block, Morgendliche Prozession der Kirchengemeinde in Jiagabhoru durchVorstandsvorsitzender des Zentrums für Mission und Ökumene unter dem Eindruck der Begegnungen in der Assam-Diözese. „Ich erinnere mich besonders an engagierte indische Frauen, die gerade im Jahr des Reformationsjubiläums viele Fragen nach neuen Aufbrüchen haben: Sind nicht schon Katharina von Bora und Martin Luther Schritte zur Gleichberechtigung von Mann und Frau gegangen und haben sich über Konventionen hinweggesetzt? Das Gespräch über die zukünftige Rolle der Frau in Indien hat uns auf dem ‘Kleinen lutherischen Kirchentag‚ in Jiagabhoru besonders bewegt – in einer Gesellschaft, in der immer noch viele Ehen von den Eltern verabredet werden!“

 

Innenansicht der Kirche in JiagabhoruIn der Partnerschaft zwischen Nordkirche und Assam-Diözese sieht Landesbischof Ulrich ein „gelungenes Beispiel für eine profilierte Ökumene, in der gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten und teilen, was sie für die weltweite Kirche Jesu Christi beizutragen haben: Es ist ein Leib und es sind viele Glieder, sagt der Apostel Paulus. Das ist eine Ökumene, die keine Einbahnstraße ist. Von den mutigen Frauen und Männern in Assam, die frei bekennen, dürfen wir lernen.“ Die Assam-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in den Himalaya-Staaten hat rund 10.000 Mitglieder in etwa 40 Gemeinden. Assam liegt im Nordosten Indiens und ist nur über einen schmalen Korridor mit dem Rest des Landes verbunden.  65 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, 31 Prozent Muslime. Zu ihnen zählen vor allem Einwanderer aus Bangladesch. Mehr als 12 Prozent der Menschen gehören der indischen Urbevölkerung an, gut jeder Vierte unter ihnen ist Christ. Die Mehrheit der Bevölkerung arbeitet auf Teeplantagen.

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