Zero Waste.

 

Ein Morgen in Deutschland. Das Abfalldesaster beginnt im Badezimmer. Wattepads, Zahnpastatube, Cremetigel und Shampooflasche wandern in den Mülleimer. Beim Frühstück geht es weiter: Wurst- und Käseverpackung, Nespresso-Sondermüll, Milchtüte, Essensreste. Kaum eine Stunde auf den Beinen und schon Müllproduzent größten Ausmaßes. 1,7 Kilo sollen es im Lauf des Tages werden – im Schnitt. Da gehören meine Müllignoranten in der unmittelbaren Nachbarschaft ebenso dazu wie das Pampersbaby – aber auch Anja Krisch. Die 38jährige Erzieherin lebt Zero Waste. Null Müll. Mit dem Handwagen geht sie zum Markt, Einmal-Verpackungen gibt es bei ihr nicht. Die Kartoffeln wandern in den Jutebeutel, die Oliven in ein mitgebrachtes Döschen. Deo stellt die Vorzeige-Verbraucherin selbst her, auch Klarspüler für die Spülmaschine. Fünf R’s gilt es zu beherzigen auf dem Weg zu Zero Waste: refuse, reduce, reuse, recycle, rot: Vermeiden, reduzieren, wiederverwenden, recyceln und kompostieren. Anja Krisch weiß, dass Null Müll eine Utopie ist, es nur Annäherung geben kann.

 

Der Trend zurück in Großmutters heile Welt, als noch alle mit Milchflaschen zum Milchladen gelaufen sind ist leider gegenläufig. Immer mehr Obst und Gemüse werden nur noch verpackt verkauft, Gurken stecken unsinnigerweise in Kondomen, Trauben in Plastikschachteln. Um das Warten an der Wursttheke zu umgehen, greifen immer mehr Verbraucher im Vorbeigehen zu verpackter Schnittwurst und Schnittkäse. Unser Mülltrennungs-System hat uns in die Irre geführt: „Wird doch eh alles recycelt“ verleitet zur Gedankenlosigkeit. Das ist genauso utopisch wie Zero Waste. Der beste Müll ist immer noch der, der gar nicht entsteht.

 

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