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Wo ist denn Mutti hingegangen?

 

Wenn Anhänger der ultraorthodoxen jüdischen Haredi-Gemeinschaft Werbeposter sehen, auf denen Frauen abgelichtet sind, dann zerstören sie diese. In Jerusalem ist das an der Tagesordnung. Die strikte Geschlechtertrennung führt zu einer skurrilen Form von Apartheid: Frauen werden in Bussen in orthodoxen Vierteln in das hintere Drittel verbannt. Manche Rabbiner verbieten Frauen sogar, den Führerschein zu machen. In manchen Krankenhäusern werden Orthodoxe gesondert behandelt. Die Begründung für all das: Männer könnten sich provoziert fühlen.

Nun ist es ja eine Sache, wenn radikal religiöse Gruppen Sonderregeln intern einführen und leben. Wenn sie anfangen, die Öffentlichkeit für ihre Lebensform zu instrumentalisieren, sollte Schluss sein.

IKEA indes ging es nicht um eine religiös-politische Aussage, als ein Sonderkatalog speziell für die Haredi-Gemeinschaft aufgelegt wurde. Die Firma, deren Markenzeichen IKEA-Family ist, druckte eine Ausgabe komplett frauenfrei. Natürlich um neue Käuferschichten zu erschließen, also um des schnöden Mammons willen.

Dies hat wiederum in der IKEA-Community einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. IKEA ruderte zurück. „Wir sind uns bewusst, dass Menschen sich darüber aufregen und dass diese Veröffentlichung nicht dem entspricht, wofür IKEA steht“ sagte ein Sprecher. “Wir entschuldigen uns dafür“.

Ob der IKEA-Vertreter bei dieser Erklärung schamrot wurde oder ärgerlich war, dass der Verkaufs-Trick verreckt ist, ist indes nicht überliefert.

 

 

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