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Tulpen gegen den Terror. Mahler meint am 7.3.2018

Wir alle nehmen den Fuß vom Gas, wenn wir ein Kreuz passieren, das neben einer Landstraße aufgestellt wurde. Jeder, der schon einmal mit dem Schiff in die USA gereist ist, wird von der Freiheitsstatue begrüßt. Gestiftet wurde das monumentale Denkmal 1886 vom französischen Staat, um den Einwanderern, oft Flüchtlingen aus dem repressiven Europa zu signalisieren, dass sie jetzt ins Land der Tapferen und Freien kommen.
Nicht weniger als dieses epochale Mahn- und Denkmal hat der teuerste Gegenwartskünstler Jeff Koons zum Vorbild genommen. 33 Tonnen Aluminium formte er in einen bonbonfarbenen Tulpenstrauß um, der für Lebensfreude stehen soll. In Paris an einem exponierten Platz aufgestellt soll er den Protest der Pariser Bürger gegen jene symbolisieren, die ihnen die Lebensfreude mittels Anschlägen nehmen wollten.
Nun ist in Paris ein Kulturkampf rund um den scheußlichen badezimmerfarbenen nicht verwelkbaren Monsterblumenstrauß entbrannt, wie die konservative katholische Zeitung „La Croix“ spöttelt. Ist es ein Denkmal für die Opfer oder für die Vermarktung von Jeff Koons? Anders gefragt: wem wird hier ein Denkmal gesetzt?
Koons möchte den monumentalen Blumenstrauß am liebsten direkt am Eiffelturm platzieren. Und will auch 3 Millionen von Mäzenen einsammeln, um sein großzügiges Geschenk nicht aus gut gefüllter eigener Tasche berappen zu müssen.
Den Streit um Gedenkstätten und Mahnmale kennen wir zur Genüge. Ich sage nur Mahnmal für die Holocaust-Opfer in Berlin Mitte. Eigentlich können wir Jeff Koons nur raten: nimm deinen Teuren Marketing-Gag und geh nach Hause. Sonst erreichst du nur eins: du verhöhnst die Opfer des Anschlags auf Batanclan im Jahr 2015.
 
 

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