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… ist so kalt der Winter

Für mich ist die Wetterkarte von entscheidender Bedeutung. Jeden Morgen schaue ich sie mir an. Jetzt im Winter freue ich gleich nach dem Aufstehen, wenn die Wohnung warm ist und auch das Wasser zum Duschen. Im Morgenmagazin: glückliche Kinder beim Rodeln.

 

Der Blick auf die Wetterkarte löst aber noch ganz Bilder in mir aus: In Ost- und Südeuropa, sogar in Deutschland frieren Wasserleitungen ein, fallen Heizungen aus. Auch in Gegenden, die sich auf Minustemperaturen eingestellt haben. Die Kältebusse sind unterwegs zu denen, die kein schützendes Dach über dem Kopf haben, im Gepäck Schlafsäcke auch von der Paradiso-Aktion „Wir wärmen Berlin“.

 

Und dann heute Morgen Bilder von griechischen Inseln oder aus Serbien. Menschen, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben durch Bombenangriffe und Vertreibung. Sie hausen derzeit in Zelten, die nicht wintertauglich sind. Und sie sitzen fest. In Klirrender Kälte, in Rumänien misst man heute Morgen minus 30 Grad.

 

Ich sitze in meinem warmen Büro und kann mir ehrlich gesagt keine Vorstellung davon machen, was das heißt. Tagein, tagaus, mit kleinen Kindern, mit Krankheiten im Dauerfrost.

 

Ich weiß nur: das darf nicht sein. Wir dürfen das nicht achselzuckend hinnehmen. Menschen, die noch in der Lage sind zu fühlen, empathisch zu sein, mitzuleiden – müssen sie nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um Obdach und Schutz, um Wärme und ein kleines Stück Geborgenheit zu schaffen? Die „humanitäre Katastrophe“ ist ein Begriff, an den wir uns auch längst gewöhnt haben. Und den Hilfsorganisationen geht das Geld aus. Den Rüstungsexporteuren nicht. Lieber Gott, schenke uns ein neues Herz und einen neuen Geist. Sonst sind wir verloren.

 

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