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Ich bin ein Berliner. Mahler meint am 6.6.2018

160203_Mahlermeint_bannerDie Geschichte der Vereinigten Staaten mit Berlin ist lang und erfreulich. Die Frontstadt des kalten Krieges konnte sich immer sicher sein, in den USA einen Verbündeten zu haben, der nicht nur Deutschland verteidigt sondern auch Berlin in seinem Sonderstatus schützt. Die amerikanische Botschaft in der Clayallee, das deutsch-amerikanische Volksfest quasi gegenüber, ein Rosinenbomber als Symbol für „old friends never let you down“ – so habe ich Berlin erlebt, als ich als Student 1976 für mehrere Wochen in der Bethel Diakonie in der Clayallee ein Praktikum gemacht habe. „Ich bin ein Berliner“ – John F. Kennedy machte den Berlinern und aller Welt unmissverständlich klar, dass zwischen Berlin und die USA kein Blatt Papier passt.

Am exponiertesten Platz der wieder auferstandenen deutschen Hauptstadt direkt neben dem Brandenburger Tor entstand die neue amerikanische Botschaft. Auch das ein Symbol für die besondere Stellung Amerikas in der Hauptstadt des engsten Verbündeten. Das alles  galt bis zum 7. Mai 2018. Am 8. Mai gab ein gewisser Richard Allen Grenell bei Frank-Walter Steinmeier sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter der Vereinigten Staaten ab. Richard Grenell ist aber leider kein Diplomat wie die Kollegen vor ihm, die in Berlin äußerst beliebt waren. Grenell ist ein Frontmann Trumps und will unbedingt die konservativen Kräfte in Europa stärken. Nächste Woche richtet er in seiner Dahlemer Residenz ein Mittagessen für den Österreichischen Kanzler Sebastian Kurz aus, Aushängeschild der neuen Rechten in Europa, den Grenell als Rockstar bewundert.

Das ist nicht tragbar, und das hat Deutschland und Berlin nicht verdient. Martin Schulz, SPD, brachte es in einem Satz auf den Punkt: „Ich hoffe, dass der Kurz-Besuch zu einem Kurzaufenthalt von Herrn Grenell in seiner Funktion als Botschafter in Deutschland führt.“ Deutschland kann alles brauchen außer Zahnschmerzen und rechte Hetzer. Alexander Gauland haben sie am Dienstag beim Baden in Potsdam die Klamotten geklaut – auch ein netter Versuch. Richard Grenell muss man schon rausschmeißen aus der weltoffenen Hauptstadt Deutschlands.

 

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