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Hochzeitsquickie. Mahler meint am 10.08.2017

Während man landauf, landab auf gröhlende Horden von Menschen trifft, die Junggesellinnenabschiede zelebrieren, die Hochzeitsvorbereitungen inzwischen mindestens ein Jahr laufen und es wenigstens die romantische Burgkapelle in den Bergen mit 150 geladenen Gästen sein muss, gibt es natürlich auch die Gegenbewegung. Als ich jung war hieß die Gretna Green in Schottland. Heute reist man nach Kanada in die Niagara-Region.
Dort gibt es den Hochzeitsquickie. Die Agentur heißt passenderweise „Elope Niagara“ – also durchbrennen nach Niagara. Folgender Ablauf:
Man fährt mit dem Auto zum Drive-thru-Hochzeitskiosk. In der Holzbude sitzt Kathy – ersatzweise Kim – deren einzige Qualifikation es ist, die erforderlichen Papiere unfallfrei entgegenzunehmen und zu unterschreiben. Das Brautpaar muss lediglich – noch im Auto sitzend – das Fenster runterkurbeln und die Papiere rüberreichen. Es ist von Vorteil, wenn der Sprachschatz der Beiden ein „Ja ich will“ beinhaltet. Das ist aber auch schon alles. Ach so, die Papiere müssen vorher beim Gemeindeamt gegen Gebühr abgeholt werden.
Maximal 10 Minuten sind erlaubt zwischen Stop und Start, maximal 4 Personen dürfen an der ausufernden Zeremonie teilnehmen – in einem PKW ersatzweise auf zwei Motorrädern. Vorher buchen, umgerechnet 200 Euro mitbringen und – falls keine Zeugen aufzutreiben sind machen das Kathy und Kim auch für je 25 Euro.
Tolle Idee – aber perfekt wird das Ganze erst, wenn auch der Nachwuchs im Drive-in Kino auf dem Autositz gezeugt wird. Das sollten die beiden doch bitte gleich mit unterschreiben. Die Welt ist eben schnell und mobil geworden.

 

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