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Gnade für die Welt. Mahler meint am 6.3.2018

Die Fakten – das ist die eine Sache. 400.000 Zivilisten in Ost Ghuta in doppelter Geiselhaft: Der des Präsidenten Assad und der verbündeten Russen und der Rebellen, die die wohl entscheidende Schlacht in Syrien wohl bis zum letzten Blutstropfen führen wollen. Wessen Blut? Das der Frauen und Kinder, die in den Kellern hocken.
Der Zynismus: Fluchtkorridore werden freigehalten, stundenweise. Ihr könnt doch gehen höhnt die Sodaldeska. Die Zivilisten gehen nicht. Wenn schon sterben dann zu Hause und nicht irgendwo auf der Flucht.
Die Humanität: Hilfskonvois werden gestern erstmalig durchgelassen. 46 LKWs – drei davon sind leer. Assads Truppen haben das beschlagnahmt, was am dringendsten gebraucht wird. Lebensrettende Medikamente.
Reporter dringen immer noch vor in die Hölle. Frauen mit ihren Kleinkindern flehen in Kellerlöchern: Gnade, habt doch Gnade mit uns! Sie flehen vergeblich.
In allen Religionen gibt es sie: die Barmherzigkeit. In den Grundgesetzen, den Erklärungen der Vereinten Nationen. Gelebt wird sie nicht.
Die Weltgemeinschaft schaut fassungs- und hilflos zu, wie Syrien ausradiert wird. Geopfert den geopolitischen Interessen der Russen, der Amerikaner, der Europäer, der Schiiten und Sunniten aus dem Iran und Saudi-Arabien, dem Irak und vielen anderen muslimischen Staaten.
Sie schaut in die dunklen, großen Augen der Syrischen Frauen und Kindern in ihren Kellerlöchern. Gnade rufen sie verzweifelt in die Kameras der internationalen TV-Sender. Ohnmächtig, hilflos und wütend drücken wir auf den Ausschaltknopf. Gnade und Barmherzigkeit hat keine Konjunktur. Wir haben sie verraten, geopfert auf dem Altar des Wohlstands und der Machtinteressen. Gibt es eigentlich Gnade für uns Zuschauer?
 
 

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