11.03.2010
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Der letzte Weg

Diakonie HospizWie wird man Mitarbeiterin im Hospiz?

Es sind ganz sicher besondere Menschen, die in einem Hospiz mitarbeiten. Sie sollten schon bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Welche das sind, das hat Günter Mahler im Gespräch im Gespräch mit Susanne Gaedicke erfahren. Sie arbeitet im Diakonie Hospiz Wannsee als Krankenschwester. Außerdem ist sie verantwortlich für die Koordination des ambulanten Hospizdienstes. Frau Gaedicke, auf welchem Weg sind Sie denn Mitarbeiterin im Hospiz geworden?

Muss man im Hospiz Schmerzen aushalten?

Die Angst vor dem Tod ist es oftmals nicht, was Menschen vor der letzten Wegstrecke schaudern lässt. Es ist die Angst vor dem Sterben, was den Umgang mit dem Thema so schwierig macht. Vielfach wird damit verbunden, dass die letzten Wochen und Monate des Lebens von unerträglichen Schmerzen geprägt sind. Das muss nicht so sein, sagt Susanne Gaedicke vom Diakonie Hospiz Wannsee in Berlin. Die Palliativmedizin kennt viele Wege, wie man Schmerzfreiheit herstellen kann – so der Patient das überhaupt will.

Wer kann im Hospiz in der Pflege mitarbeiten?

Viel mehr Menschen machen sich Gedanken über Sterben und Tod, als man gemeinhin annimmt. So manche Krankenschwester macht  sich Gedanken darüber, in ein Hospiz zu wechseln. Im normalen Krankenhausalltag fehlt vielfach die Zeit, um sich intensiv um Menschen auf der letzten Wegstrecke angemessen zu begleiten. Susanne Gaedicke arbeitet als Krankenschwester im Diakonie Hospiz Wannsee. Was sind eigentlich die Voraussetzungen für eine Mitarbeit im Hospiz?

Wie sieht eigentlich eine ehrenamtliche Mitarbeit im Hospiz aus?

Hospizarbeit ist mit hohem persönlichen Aufwand verbunden. Keine Medizin, keine Maschine kann das ersetzen, was die Sterbenden am meisten brauchen: einen Menschen, der bei ihnen ist, der Zeit hat und zuhört. Wollte man diese Helferinnen und Helfer alle bezahlen – die Hospizarbeit wäre mit Sicherheit nicht mehr finanzierbar. Aber glücklicherweise gibt es in dieser Arbeit viel Ehrenamt. Und manche arbeiten mehrere Tage in der Woche im Hospiz mit.

Wie schwer ist es, sich mit dem Thema „Tod und Sterben“ zu beschäftigen?

Wenn wir nicht unmittelbar mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert werden, verdrängen wir es ganz gerne. Aber es gibt Situationen, da geht das einfach nicht mehr. Karin Robert, ehrenamtliche Helferin im Diakonie Hospiz Wannsee ist es genau so ergangen.

 

Wie gestaltet sich der Umgang mit sterbenden Menschen?

Viele Menschen spüren ihre Unsicherheit, wenn sie mit Sterbenden umgehen sollen. Was darf ich sagen? Was sind Tabuthemen? Muss ich immer reden – oder ist auch mal Schweigen angesagt? Karin Robert, ehrenamtliche Helferin im Diakonie Hospiz Wannsee meint, dass gerade die Beziehungen zu den Menschen, die auf ihrer letzten Wegstrecke sind, eine ganz besondere ist.

Kann man sich an den Umgang mit Sterbenden gewöhnen?

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht viele Menschen, wenn sie an einem stationären Hospiz vorbeigehen. Denn dann können sie dem Tabu-Thema Sterben und Tod nicht mehr ausweichen. Angelika Behm leitet das Diakonie Hospiz Wannsee. An jedem ihrer Arbeitstage überschreitet sie die Schwelle ins Hospiz. Kann man das irgendwann einmal so tun, als wäre es das Normalste der Welt?

Ist die Hospizbewegung in unserer Gesellschaft angekommen?

Der Begriff „Hospiz“ ist eigentlich uralt. Bedeutet er doch nichts anderes als „Herberge“. Das Hospiz, wie wir es heute kennen als Einrichtung für Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke ist relativ neu. Inzwischen sprießen allerorten Hospize wie Pilze aus dem Boden. Angelika Behm leitet das Diakonie Hospiz Wannsee. Ist es inzwischen normal, dass Menschen sich an ein Hospiz wenden, wenn sie Begleitung für Sterbende wünschen?

 Wann sollte man einen ambulanten Hospizdienst wählen und ab wann einen stationären?

Umfragen sagen es eindeutig: 90% aller Menschen in Deutschland möchte gerne zu Hause sterben und dabei möglichst gut betreut werden. Wann immer das möglich ist, sollte es auch so gemacht werden. Allerdings gibt es auch Situationen, in denen der Aufenthalt in einem stationären Hospiz angeraten erscheint. Welche das sind und wie man dies im Einzelfall herausfindet weiß Angelika Behm, Leiterin des Diakonie Hospiz Wannsee.

Von der Krankenschwester zur Hospizmitarbeiterin – wie sieht der Weg aus?

Doreen Kossack ist Pflegedienstleiterin im Diakonie Hospiz Wannsee. Sie arbeitet dort gerne mit, weil es ihr ein Anliegen ist, Zeit für diese Menschen in ihrer ganz besonderen Lebenssituation zu haben. Sie schildert ihren ganz persönlichen Prozess von der Krankenschwester zur Pflegedienstleiterin im Hospiz.

Sterben im Krankenhaus? Nein danke!

Es hat sich inzwischen rumgesprochen: Ein Krankenhaus ist kein guter Ort zum Sterben. Personal wird abgebaut, die Liegezeiten werden immer kürzer, der Kostendruck ist enorm. Alles ist darauf ausgerichtet, dass die Patienten so schnell als möglich mobilisiert und entlassen werden. Für einen oft langwierigen und pflegeintensiven Prozess des Sterbens eignet sich ein Krankenhaus nicht. Ganz zu schweigen von der persönlichen Zuwendung, die ein sterbender Mensch bekommen sollte. Doreen Kossack, Pflegedienstleiterin im Diakonie Hospiz Wannsee und davor Krankenschwester in einem Krankenhaus, kennt sich da aus.

Zuwendung, Einzelzimmer und Veranda zum Park – die Pflege im Hospiz

Sterbende Menschen brauchen mehr. Mehr Zeit. Mehr Zuwendung. Wenn möglich auch die Verbindung zur umgebenden Natur. All das ist im Diakonie Hospiz Wannsee gegeben. Was die Pflege in einem Hospiz von der Pflege im Krankenhaus unterscheidet, weiß Krankenschwester Doreen Kossack, Pflegedienstleiterin des Hospizes im Park am Wannsee.

Ist ein Hospiz eigentlich ein Gebäude – oder etwas ganz anderes?

Wer Hospiz hört, der denkt gemeinhin an eine Unterkunft, die hotelähnlich war. In der Tat waren Hospize früher Beherbergungsbetriebe – häufig von Kirchen eingerichtet. Und auch heute verbinden viele Menschen mit dem Hospiz das Haus, in dem die Hospizarbeit – die Betreuung und Pflege sterbender Menschen – stattfindet. Das beschreibt die Hospizbewegung aber nur unzureichend, sagt Angelika Behm, Leiterin des Diakonie Hospiz Wannsee.

Hospizarbeit – eine sinnvolle und wichtige Aufgabe für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Der Personalschlüssel in stationären Hospizen ist – im Vergleich zu Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen – sehr hoch. Und doch werden zusätzlich Freiwillige gebraucht. Im stationären Hospiz und noch viel mehr in der ambulanten Hospizarbeit. Was die Menschen beachten müssen, die sich mit dem Gedanken tragen, dort einzusteigen, erklären Angelika Behm, Leiterin des Diakonie Hospiz Wannsee und Mirijam Stamm, sie ist dort Seelsorgerin.

Sie möchten ehrenamtlich im Hospiz mitarbeiten – was müssen sie tun?

Erstaunlich viele Menschen tragen sich mit dem Gedanken, im Hospiz mitzuarbeiten. Aber viele wagen den Schritt dann doch nicht weil sie nicht genau wissen, wie sie für diese Aufgabe vorbereitet werden. Pastorin Miriam Stamm, Seelsorgerin und Angelika Behm, Leiterin des Diakonie Hospiz Wannsee bilden ehrenamtliche Hospizhelferinnen und Helfer aus.

Im Hospiz wird gelacht und gelebt – und, wenn gewünscht, auch geglaubt.

Wer glaubt, in einem Hospiz wird nur geflüstert, es herrscht Totenstille und die Atmosphäre drückt einen zu Boden, der ist noch nie dort gewesen. In einem Hospiz kann es auch mal laut zugehen, da wird gekocht, gespielt und gebastelt, es gibt Grillnachmittage und Musik. Leben bis zum letzten Augenblick ist das Motto. Mirjam Stamm ist Seelsorgerin im Diakonie Hospiz Wannsee. Sie ist eine Frau mit einer fröhlichen Grundstimmung. Warum?

Eine Hospizbetreuung ist etwas ganz Normales – trauen Sie sich einfach!

Manche Sterbende oder auch ihre Angehörigen haben Scheu, eine Hospizbetreuung anzunehmen. Dabei ist es egal, ob diese Betreuung ambulant – also zu Hause – oder stationär geschieht. Diese Scheu ist gar nicht nötig, sagt Angelika Behm, Leiterin des Diakonie Hospiz Wannsee.

Ich möchte im Hospiz mitarbeiten – wie sehen die nächsten Schritte aus?

Irgendwann kommt der Punkt – oft nach einer langen Auseinandersetzung – da sagt man: OK, ich gehe es jetzt an. Der Mitarbeit in einem Hospiz ist oft ein solcher Prozess vorangegangen. Und dann ist da ja noch die Frage, wer das bezahlt. Was dann geschehen sollte und wie sie Kontakt zum Diakonie Hospiz Wannsee aufnehmen können, sagt Ihnen Pastorin Mirjam Stamm und Leiterin Angelika Behm.