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Alexa macht das. Mahler meint am 7. Juni 2018

160203_Mahlermeint_bannerDie alte Dame hatte Glück. Sie hat Alexa. Als sie im Badezimmer gestürzt war, rief sie Alexa um Hilfe. Alexa, sonst um keine Antwort verlegen, blieb stumm. Offensichtlich hatte die Putzfrau versehentlich die Telefon-online-Verbindung gezogen.

Nach 12 Stunden bemerkte ein Nachbar, dass die Rollos in der Wohnung der alten Dame auch am Tag unten geblieben waren. Er informierte Angehörige, die die Seniorin am Boden liegend fanden. Sie lebte und hatte auch keine weiteren Verletzungen. Bis auf das Vertrauen in Alexa, die Sprachsteuerung von Amazon, die den roten Knopf am Handgelenk ersetzen sollte. Das ist hin.

Alexa steuert das Smart Home, hilft bei den Hausaufgaben, führt den Müllkalender und die Einkaufsliste. Reicht es eigentlich nicht, dass ich ohne Navi nirgendwo mehr hinfinde, weil ich mir das Denken und Erinnern abgewöhnt habe? Hausaufgaben abfragen – war das nicht immer anstrengende, aber wertvolle Zeit mit den Kindern? Einkaufen gehen, einen Stoff fühlen, Schuhe anprobieren – war das nicht auch ein Erlebnis und nicht nur lästige Pflicht? Der Schwatz mit dem Schalterbamten in der Bank, mit der freundlichen Dame auf der Poststelle?

Ganz ehrlich: was machen wir gerade mit uns und unseren Sozialkontakten? Ich meine nicht, dass wir technische Errungenschaften nicht nutzen sollten. Solange sie keine Sucht verursachen und unseren Verstand ausschalten. Ich verkaufe mein Hirn auf jeden Fall nicht an Alexa und schaue vor der Urlaubsfahrt selbst nach dem Herd und den Rollläden.

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