Mittwoch, 30. Juni
Bibellese: Hosea 5,8-15
Lied: Lobet den Herren, alle die ihn ehren (EG 447/GL 671)
KL: Lk 7,24-30; Mt 4,12-17
LL: Am 5,14-15.21-24; Mt 8,28-34
Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn’s ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen. Hosea 5,15
Not lehrt beten. Ich habe diesen Satz schon oft gehört. Oft feiern wir in einer unseren schönen brandenburgischen Dorfkirchen einen Gottesdienst, in dem wir singen könnten: Liebster Jesu, wir sind vier. Dann kann man darauf warten, dass jemand diesen Satz sagt. Es läuft schon fast wie eingeübt ab, einer stimmt die Klage darüber an, dass wir wieder so wenige gewesen sind. Darauf erwidert eine andere, den Leuten geht es eben noch viel zu gut. Die Männer und Frauen, die so reden, haben sich das nicht einfach ausgedacht.
Manche von ihnen erinnern sich noch daran, wie gut besucht die Gottesdienste nach dem Krieg gewesen sind und alle haben schon im Fernsehen gesehen, wie viele Menschen in die Kirchen kommen, wenn irgendwo ein Unglück passiert ist.
Ich weiß, sie wünschen niemandem die Not, die beten lehrt. Aber ein solches Wort wie das aus dem Hoseabuch trifft genau da hinein, es spiegelt diese Erfahrungen, die Menschen machen und die sie dazu bringen zu sagen: Not lehrt beten.
Wenn’s ihnen übel ergeht, so werden sie mich suchen, heißt es hier. So lässt der Prophet Gott sprechen, der sich zurückziehen will an einen Ort, zu dem wir keinen Zutritt haben.
Gott verbirgt sich nicht, weil er mit den Menschen nichts zu tun haben möchte. Hosea sagt, Gott verbirgt sich, damit wir ihn endlich suchen. Er wartet darauf, dass wir ihn endlich vermissen. Und wir sollten nicht erst dann nach ihm fragen, wenn wir uns keinen anderen Rat mehr wissen, weil wir doch schon alles andere versucht hätten.
Damit sind wir nämlich bei einem anderen solcher oft gehörten, alles vereinfachenden Sätze: Ich kann nichts mehr tun, da hilft nur noch beten. Beten. Gottsuche als Mittel der letzten Wahl ist nicht Ausdruck von großem Vertrauen, sondern vielmehr von großer Ratlosigkeit. Möge uns so ein trauriger Glaube erspart bleiben.
Martina Schmidt
Aus "Brot für den Tag 2010" – Tägliche Andachten zur Bibellese.
Mit freundlicher Genehmigung des Wichern Verlags.
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